Dopinghysterie und Antisemitismus


Allen knackigen Ärschen in engen Radlerhosen zum Trotz habe ich mir ja nie was aus dem Radsport gemacht, da ändert auch die neue Hysterie (wie Mr Bozic richtig bemerkte: „ARD und ZDF spielen peinlich das moralische Gewissen der Nation, die Grünen drehen komplett am Rad und klingen schon wie Schily & Schäuble zusammen in Sachen Doping-Repression (wie wärs mit gezielter Tötung von Radfahrern bei Dopingverdacht?!)…“) um gedopte Fahrer bei der Tour de France nichts dran. Wenn überhaupt „Tour de France“, dann doch maximal das gleichnamige Album von Kraftwerk. Interessant finde ich jedoch den Artikel „Quäl dich, du Sau!“ von Thorsten Fuchshuber in der aktuellen konkret, in dem dieser herausstellt, wie sehr die Dopinghysterie von Deutscher Ideologie mit antisemitischen Zügen geprägt ist. Ich zitiere:
„..Der Antisemit stellt sich das Kapitalverhältnis als ominöse Einrichtung zwecks betrügerischer Vermehrung des Geldes vor, wobei er als Akteur den jüdischen Wucherer halluziniert, um diesem „raffenden“ Kapitalisten den in Schweiße seines Angesichts „schaffenden“ Kapitalisten entgegenzustellen. Ähnlich phantasiert man in der aktuellen Debatte über die betrügerische Vermehrung der Kräfte des Sportlers durch Dopingmittel und die dadurch ausgelösten biochemischen Prozesse. Mit Hilfe dieser Substanzen würden „all die fairen Fahrer, die nie gespritzt, sondern nur hart trainiert haben…von Gaunern um die Früchte ihrer Arbeit gebracht“ (Kölnische Rundschau). Daß es so oder so der Körper des Sportlers bleibt, der rücksichtslos ausgebeutet wird, ist egal. Da der politische Diskurs unter Beobachtung steht, flüchtet sich das antisemitische Ressentiment in die Alltagskultur. Dort findet es sein Residuum in der Sprache, wie Adorno sagte, und harrt der des Jargons kundigen Empfänger. Der Deutsche Olympische Sportbund forderte von seinen Mitgliedern derweil „die sogenannte Endkampfchance“ (FAZ)- was bedeutet, daß ein deutscher Sportler auch ohne Dopingmittel gegen die gedopte Konkurrenz bestehen muß. Das „weltumspannende Lügenkartell des Radsports“ (Stuttgarter Nachrichten) steht, so scheint´s, kurz vor Berlin. Und dann muß man noch auf den „Frontfahrer Jan Ullrich“ (Nürnberger Nachrichten) verzichten. Aber so ist das eben, wenn „der Mammon das menschliche Handeln“ (Westfälische Nachrichten) regiert.“ (Thorsten Fuchshuber/konkret 7/07)


5 Antworten auf „Dopinghysterie und Antisemitismus“


  1. 1 augenaufschlägerin 19. Juli 2007 um 15:18 Uhr

    so richtig das oben zitierte ist, so falsch ist die heranziehung von armstrong zu diesem thema. wir erinnern uns mal an die letzten touren, ullrich mal wieder zu fett, nicht fit genug, vor der tour auf parties statt im sattel, manchmal sogar mit ecstasy im blut. und wenn im sattel, dann bei touren die experten nicht gerade als sinnvoll zur tour de france vorbereitung erachten, die ulrich aber nach eigener aussage einfach spass machen.

    armstrong hingegen der immer auf den punkt topfitte sportler, idealgewicht, alles passend zur tour de france. auf irgendwelchen rundfahrten im vorfeld (giro, vuelta etc) lässt er sich nie blicken, er lebt und fährt nur für eins: für die tour de france.
    eskapaden und ähnliches sind von armstrong nicht bekannt.

    die deutsche presse mag ullrich immer gerne als den vertreter der deutschen tugenden darstellen, der sich hart und fair zum sieg kämpft. schaut man aber mal der realität ins auge, ist ullrich ein hedonist gewesen, der sein riesiges talent leichtfüßig weggeworfen hat, ziemlich „undeutsch“. nur ist die medienmaschinerie scheinbar so erfolgreich, dass auch ihre kritiker sie nicht mehr zu durschauen mögen und armstrong bejubeln, die menschmaschine oder gar, wie auch in der konkret geschehen, die verhältnisse einfach umdrehen und sich an armstrong angeblich antisemitische tiraden ausleben würden.

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