10 Jahre Jungle World


Die Berliner Wochenzeitung Jungle World (vom Nürnberger Sektenguru Robert Kurz in Gesprächen gerne als „Kinder-Welt“ bezeichnet) wird 10 und feiert mit einer dicken Jubiläumsausgabe. Mhm, 10 Jahre, da ist es doch eigentlich an der Zeit, den unsäglichen Bernhard Schmid endlich rauszuschmeißen! Nun ja, anlässlich des Jubiläums hat der (abgesehen von salty) angeblich „sexiest man of Berlin“, Ivo Bozic, einem Radiosender ein interessantes Interview gegeben, das ihr euch hier anhören könnt. Sehr witzig wird es, als der Interviewer seinen Hass auf die „Welt“ loswerden möchte..
Im Übrigen ist der beste Artikel in der Jubiläumsworld eindeutig und wie zu erwarten der von Tjark Kunstreich, „Globale Gollwitz-Linke“, den sich besonders die Möchtegerns vom „Ums Ganze Bündnis“ durchlesen sollten, am besten gleich hier:

„Globale Gollwitz-Linke
G8 sei Dank: Die deutsche Konsenslinke ist wieder da. Vom Antisemitismus will sie endlich nichts mehr wissen müssen

Das Gift hat eine neue Plattform«, kommentierte Dieter Graumann, der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, die Gründung der Partei »Die Linke«. Es gebe traditionell eine »krankhafte Feindseligkeit« gegenüber Israel. Es ist jedoch nicht nur der Antizionismus, die politische Rationalisierung des Antisemitismus, sondern auch der Antikapitalismus dieser Linken, der an Versatzstücke der Nazi-Ideologie anknüpft.

Das wollten auch die Antifa-Gruppen deutlich machen, die am 2. Juni in Rostock im »Ums ­Ganze«-Block neben Palästina-Deutschen, Antiimps und anderen Freaks, die Völker, Kulturen und Saatgut gegen den globalen Kapitalismus verteidigen wollen, demonstrierten. Anstelle einer Kritik des Antikapitalismus kam am Ende jedoch etwas anderes heraus: Anarchosyndikalisten und Gewerkschafter, Autonome und MLer, Antideutsche und Maoisten, Antifas und Antizionisten – sie alle können wieder gemeinsam auf eine Demon­stration gehen. Mit Palästinensertuch und Davidstern vereint gegen die Mächtigen der Welt.

Es wurde der Hauptwiderspruch wieder entdeckt, der Kapitalismus, der wahlweise dafür verantwortlich ist, als Imperialismus verkleidet die Völker der Welt zu knechten, oder für den Antisemitismus, der die Existenz des Staates Israel leider notwendig macht: Such dir eine Wahrheit aus! Nicht nur die Wasg und die Linkspartei haben sich vereinigt, auch die unterschiedlichen Strömungen der radikalen Linken haben wieder zum guten, alten Minimalkonsens gefunden.

Dieser besteht darin, zum einen die Verhältnisse als »strukturelle Gewalt« zu interpretieren, zum anderen gezielte Militanz als deren Brechung zu würdigen. In den neunziger Jahren war der Begriff »strukturelle Gewalt« aus dem Repertoire kritischer Bemühungen verschwunden, weil er ebenso gut dazu taugt, aus einem rassistischen oder antisemitischen Hassverbrechen eine Ver­zweif­lungs­tat zu machen, an der letztlich die Verhältnisse schuld sind – noch heute eine beliebte Übung, wenn es darum geht, islamischen Untaten ein irgendwie fortschrittliches oder wenigstens antikapitalistisches Moment anzulügen.

Angesichts der Pogromwelle Anfang der neunziger Jahre wurde dieser Sorte linken Interpretierens vorläufig der Garaus gemacht, weil zu offensichtlich geworden war, dass es nicht ausreicht, Antisemitismus und Rassismus als ein Spaltungsmanöver der Herrschenden zu erklären, das die Untertanen davon abhalten soll, ihre wirklichen Interessen wahr­zunehmen. Stattdessen wurde unterstellt, dass Leute, die Flüchtlinge jagen und umbringen, nichts anderes wollen, als Flüchtlinge zu jagen und diese umzubringen. Auf die Geschichte bezogen wurde dies übersetzt in die Erkenntnis, dass der Nazi-Faschismus nicht eine Diktatur gegen die Mehrheit der Bevölkerung war, sondern dass er von dieser mehrheitlich getragen und exekutiert wurde.

In der Wiederkehr des deutschen Antisemitismus in den neunziger Jahren bündelte sich das Unbehagen an Deutschland wie in einem Brennglas. Als im Jahr 1997 im ostzonalen Gollwitz die Bevölkerung die Unterbringung jüdischer Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion verhinderte, wurden als »Gollwitz-Linke« jene bezeichnet, die Verständnis für den zum Pogrom bereiten Mob äußerten, wie etwa Werner Pirker in der jungen Welt.

»So sind die realen Kräfteverhältnisse in der Linken: Die Nachdenklichkeit, die nach der Wiedervereinigung und dem Golfkrieg in allen Strömungen zu beobachten war, hat keine Wirkung gehabt. Die allermeisten Linken waren, sind und bleiben Spießer, Reaktionäre, Antisemiten«, resümierte Jürgen Elsässer damals (Jungle World 49/97). In Rostock-Lichtenhagen hatte der Mob 1992 Vietnamesen und Zigeuner verbrennen wollen, in Hoyers­werda tobte das Wir-sind-ein-Volk, bis die Asyl­bewerber unter Polizeibegleitung die Stadt verlassen mussten. An die 100 Menschen bezahlten nach der Wiedervereinigung den völkischen Terror mit dem Leben. Der Antisemitismus spielte dabei aufgrund der historischen Reminiszenz eine besondere Rolle, er war sozusagen der Beweis für die Kontinuität der volksgemein­schaftlich-nationalsozialis­tischen Gesinnung der Deutschen.

In der Verunsicherung ob dieser Entwick­lung wurde auch die eigene Tradition zum Gegenstand von Selbstkritik. Als Martin Wal­ser 1998 seine Rede wider die »Dauerpräsen­tation unserer Schande« hielt, funktionierte dies noch ganz gut: Linksradikal zu sein, hieß, sich der Befreiung der Nation von ihrer Vergangenheit zu widersetzen.

Anlässlich des ersten deutschen Krieges nach 1945, der sich 1999 nicht zufällig gegen den letzten Rest des unter deutscher Führung zuvor zerschlagenen Jugoslawiens richtete, ging die Kritik dieser Entsorgung noch Hand in Hand mit antiimperialistischen Parolen. Man brauchte nur die USA gegen Deutsch­land auszutauschen und war damit immerhin auf dem Erkenntnisstand von 1914: Der Hauptfeind steht im eigenen Land. Von da an ging’s bergab, weil der Nazi-Faschismus vom Tabu zum Präsentationsobjekt und zur Rechtfertigung militärischer Bemühungen um Menschenrechte wurde. Deutsch­land stellte sich seiner Vergangenheit, die Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit wurde zum Allgemeinplatz, zum Ticket.

Was von der Konsenslinken übrig war, blickte schon Ende der neunziger Jahre neidisch ins Ausland, wo sich die Antiglobalisierungsbewegung formierte. Schon früh entdeckten einige, die von der Selbstkritik nie etwas wissen wollten, in dieser Bewegung mit ihrer kruden Mischung aus Öko­logismus und Antiimperialismus eine Chance, end­lich eine linke Politik machen zu können, die sich an deutschen Petitessen wie sechs Millionen toter Juden nicht länger aufzuhalten braucht. Antifaschismus und Antikapitalismus fielen nicht erst nach dem 11. September 2001 auseinander, weil erstgenannter als Herrschaftskritik die strukturelle Gewalt der unmittelbaren vorzieht und in der Vermittlung von Herrschaft einen Fortschritt erkennt, während letztgenannter in seiner heutigen ideologischen Form gegen diese Vermittlung den Kult der Unmittelbarkeit von Beziehungen setzt und nicht zufällig mit den grauenhaftesten Verfallsformen kapitaler Herrschaft im Bunde ist.

»Die politischen Generationen haben zusammen­gefunden. Anders als in den neunziger Jahren gibt es wieder eine junge Linke«, freut sich Thomas Seibert vom Bündnis »Interventionistische Linke« in der taz. Mit einiger Verspätung wurde endlich erreicht, was der Rest der Nation längst schon bewältigt hat: die Versöhnung mit sich selbst. Man ist als Teil der westlichen Linken endlich in der geschichtslosen Globalität angekommen. Dass Seibert nicht wahrnimmt, was für ein strenger Geruch von der Formulierung des Zusammenfindens der Generationen ausgeht, zeigt, wie stolz man darauf ist, endlich auch sein Scherflein zur Normalisierung Deutschlands beigetragen zu haben. Schließlich hat es in den neunziger Jahren durchaus eine Generation junger Linker gegeben, sie stand aber für das antiimperialistische Generationenkomplott, anders als die Mehrheit der 68er, nicht zur Verfügung.

Eigentlich steht nach dem Zusammenfinden der Generationen nun das Zusammenfinden der Fraktionen an. Der »Ums Ganze«-Block hat den Weg gewiesen: Zehn Jahre nach der Spaltung wird so auch die Wiedervereinigung von junge Welt und Jungle World denkbar. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch!“
(Tjark Kunstreich/ Jungle World 26/07)


16 Antworten auf „10 Jahre Jungle World“


  1. 1 subwave 27. Juni 2007 um 23:02 Uhr

    wenn du mal ein bisschen reflektieren würdest, anstatt nur deinen berliner „sektenguru[s]“ zu folgen wüsstest du, dass b.schmid einer der besseren autoren der jungle world ist. warum also den rausschmeißen?

  2. 2 Keta Minelli 27. Juni 2007 um 23:31 Uhr

    ich habe ja anno dazumal noch zusammen mit herrn kunstreich die sogenannte „gefangenenarbeit“ gemacht, also diejenigen insassen bundessdeutscher knäste mit diskussionen und büchern versorgt, die in einem deiner etwas älteren beiträge so schlecht als antisemitische mörderbande daherkommen. auch die aktion gegen die einwohner von gollwitz geht unter anderem auch auf mein konto – der tjark konnte außer ein wenig publizistischem beiwerk nicht viel dazu beisteuern. vermutlich meint er unter anderem mich, wenn er von dieser so anderen generation junger linker spricht, die in den 90ern so radikal mit allem gebrochen haben. und jetzt? sind wir beide af den hund gekommen. tjark kunstreich sieht vor lauter kritik die realitäten nicht – und ich bin bei den möchtegerns von ums ganze gelandet. schlimme welt.

  3. 3 IdrawESCAPEplans 28. Juni 2007 um 9:39 Uhr

    @Keta Minelli
    auf die vorgebrachte kritik, speziell in diesem absatz: Das wollten auch die Antifa-Gruppen deutlich machen, die am 2. Juni in Rostock im »Ums ­Ganze«-Block neben Palästina-Deutschen, Antiimps und anderen Freaks, die Völker, Kulturen und Saatgut gegen den globalen Kapitalismus verteidigen wollen, demonstrierten. Anstelle einer Kritik des Antikapitalismus kam am Ende jedoch etwas anderes heraus: Anarchosyndikalisten und Gewerkschafter, Autonome und MLer, Antideutsche und Maoisten, Antifas und Antizionisten – sie alle können wieder gemeinsam auf eine Demon­stration gehen. Mit Palästinensertuch und Davidstern vereint gegen die Mächtigen der Welt. bist du leider kein stueck weit eingegangen.schade

  4. 4 zapperlott 28. Juni 2007 um 10:39 Uhr

    @subwave: Vielleicht will cliff den Schmid herausgeworfen sehen, weil dieser wiederholt die »antideutsche Ideologie« kritisiert? (
    http://www.unrast-verlag.de/unrast,6,1,101.html, http://www.trend.infopartisan.net/trd7806/t197806.html …)

  5. 5 Keta Minelli 28. Juni 2007 um 10:45 Uhr

    was soll ich dazu sagen? auf eine billige polemik mit einer ebenso billigen reagieren? herrn kunstreichs nie verwundenen verlust eines resonanzbodens in form einer existierenden (und ihm zuhörenden) bewegung verweisen? psychologisieren?
    es ist doch so: wo immer sich deutsche versammeln, um gemeinsam irgendwelche interessen zu vertreten, geht es gruselig zu. trotzdem kann man nicht alles miteinander gleich setzen. was ich aus rostock mitgenommen habe, ist, dass die antiglobalisierungsbewegung noch immer ein treffen von leuten mit kruden ansichten und schlechtem outfit ist – aber nicht ansatzweise so schlimm, wie es hier und anderswo herbeibeschrieben wird. all das, was tjark in seinem artikel beschreibt, gab es dort – und doch musste man feststellen, dass bestimmte diskussionen ganz offensichtlich angekommen sind. das dilemma an antideutscher kritik ist doch, dass sie – mit verspätung und verwässert – angenommen wird. die möglichkeit der distinktion entfällt. und das lässt leute hinter ihrem schreibtisch nur noch beleidigter auf die dort demonstrierenden eindreschen. verletzte eitelkeit, würde ich sagen.
    ja, der palästina-block war nicht so schön – und ist sowohl quantitativ als auch, was sein auftreten angeht, eher zu vernachlässigen. ich finde nämlich, es gibt gute gründe, gegen die menschenunwürdigen bedingungen im gazastreifen, im westjordanland oder anderswo auf die straße zu gehen. es gibt auch sehr viele schlechte. es gibt auch viele gute gründe, gegen die zustände im kongo auf die strasse zu gehen – das hat der „palästinablock“ übrigens auch getan. man muss menschenrechtsblabla nicht gutfinden – alles zu antisemiten zu stilisieren, geht aber an der sache völlig vorbei. wer dem umsganze-block vorwirft, zurück in die kuschellinke zu wollen und zuliebe der masse alle kritischen standards über bord zu werfen, der hat weder gelesen was er schreibt, noch ihr auftreten auf der demo erlebt. 10.000 mehrsprachige und am rande der demo mund auf den camps verteilte flugblätter, in denen die positive bezugnahme auf hamas und co als das verurteilt wird, was es ist, nämlich reaktionäre scheisse, haben da sicher mehr erreicht, als ein pissiger text in der jungle world. das belegen auch die positiven reaktionen von globalisierungskritischen gruppen aus ganz europa.

  6. 6 mané 28. Juni 2007 um 13:10 Uhr

    naja der schmid ist einfach langweilig, ja keinem auf die zehen steigen, ausser den antideutschen halt, die ja sowieso sein dauer thema sind.
    aber vor allem sein zwanghaft reflektiertes gehabe ist ziemlich anstränend. aus der jungle würd ich ihn trozdem nicht verbannen wollen, über was sollte ich mich den da sonst aufregen;)

  7. 7 egal 28. Juni 2007 um 14:57 Uhr

    „wer dem umsganze-block vorwirft, zurück in die kuschellinke zu wollen und zuliebe der masse alle kritischen standards über bord zu werfen, der hat weder gelesen was er schreibt, noch ihr auftreten auf der demo erlebt.“ :d wem machst du hier eigentlich was vor Keta? Genau darum ging es doch dem „Ums ganze“ Leuten, wie auch bei ihren übrigen Aktionen, siehe 30 April. Für euch war die ganze G8 Sache doch nur eine linke Olympia nach dem Motto „Dabei sein ist alles“! Aber was erwartet man schon von leuten, die 2003 unter dem Motto „Nie wieder Frieden Fight New World Order – fuck old europe“ auf die Straße gingen?

  8. 8 elser 28. Juni 2007 um 15:24 Uhr

    Ausgerechnet den Schmid rausschmeissen… einer der wenigen der den Kauf der „Kinder-Welt“ überhaupt noch lohneswert macht. Mal wieder typisch (anti)Deutsch: „naja der Schmid ist einfach langweilig“, anstatt mal zu sagen was einen INHALTLICH an dem was er schreibt stört. Aber in der Jungle sind ja auch viele Bildchen und comics und Wirner-Artikel, für die Leute, die eher auf leichte Kost stehen…

  9. 9 streifenstyle 28. Juni 2007 um 16:01 Uhr

    schmid ist ein solider journalist, aber kein allzu großer theoretiker (siehe dazu p. lenhard in der aktuellen phase zwei).

  10. 10 subwave 28. Juni 2007 um 16:37 Uhr

    @mané: mich dagegen ödet das ewige rumpolemisieren aus der bahamas-ecke nur noch an. da ist mir ein reflektierter herr schmid 1000x lieber.

    @egaL: was stört(e) dich an dem motto („Nie wieder Frieden Fight New World Order – fuck old europe“)?

  11. 11 uri 28. Juni 2007 um 17:14 Uhr

    es steht doch da, was am b.s. schlecht sein soll: er ist zu „reflektiert“. und damit sticht er aus jungle world riege tatsächlich heraus. was aber eher gegen das blatt spricht…

  12. 12 keta minelli 29. Juni 2007 um 0:39 Uhr

    @ egal: keine ahnung was du meinst. die demo am 30.04. hat sich inhaltlich abgegrenzt – und ist auch so wahrgenommen worden. was das motto der kp am 1.5.03 angeht – vielleicht konkretisierst du deine kritik nochmal. und bernhard schmid geht mir am arsch vorbei. das macht sonst eigentlich keiner…

  13. 13 mané 29. Juni 2007 um 9:18 Uhr

    ja wer es kuschelig will soll den schmid lesen, „jeder nach seinen fähigkeiten, jedem nach seinen bedürfnissen“:-?
    wobei so kuschelig ist er ja nicht, wie hieß das noch mal „hinter den rechten sekten die tür zuschlagen“ naja wie auch immer. den lenhard artikel in der „phase zwei“ fand ich dagegen sehr gut:)

    „Er nimmt sich den NS-Slogan „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ und dessen Gegenteil – „Eigennutz geht vor Gemeinnutz“ – vor und stellt die höchst befremdliche Frage, welche der beiden Devisen denn nun emanzipatorischer ist. Angesichts der Problemstellung ist seine Konklusion keineswegs überraschend: „Man sieht also, dass es politisch absolut sinnlos ist, die beiden Slogans […] gegeneinander diskutieren zu wollen. Das eine wie das Andere führen (sic!) gleichermaßen zu hässlichen Ergebnissen – wobei natürlich der historische Nationalsozialismus den worst case der bisherigen Menschheitsgeschichte darstellt, der sich aber jedenfalls nicht in identischer Form und in derselben Konfiguration orginalgetreu wiederholen wird“. Man fragt sich, wenn man dieses Fazit liest, warum Bernhard Schmid die Slogans überhaupt gegeneinander diskutiert, wenn das doch „politisch absolut sinnlos“ ist; immerhin ist kein äußerer Anlass zu erkennen, denn es gibt – soweit das zu überblicken ist – gegenwärtig kein politisches Subjekt, das die Parole „Eigennutz geht vor Gemeinnutz“ vor sich herträgt, stattdessen aber von Links bis Rechts ganze Heerscharen von Anhängern egalitärer, repressiver Gemeinschaften.
    Es steht zu vermuten, dass Schmid, der ja seit einiger Zeit damit beschäftigt ist, in unzähligen Artikeln und neuerdings sogar in einem eigenen Buch Anekdoten über die Antideutschen aufzutischen, diese hier ins Vesier nehmen will, indem er den von den Antideutschen als Bedingung der Möglichkeit des Kommunismus verteidigten bürgerlichen Egoismus mit dem Nationalsozialismus zu identifizieren versucht.“

  14. 14 cliffcosmos 30. Juni 2007 um 15:28 Uhr

    @ Keta
    Wen du dir auf “ positiven reaktionen von globalisierungskritischen gruppen aus ganz europa“ und das Verteilen von 10 000 Flugblättern was einbildest, war die Aktion sicherlich ein voller Erfolg! Ich war selbstverständlich nicht vor Ort und habe die Zeit mit sinnvolleren wie sinnlicheren Dingen verbracht, auch kenne die verteilten Flugblätter nicht, habe mir aber von anwesenden Bekannten berichten lassen, dass sie nichts von eurem Block mitgekriegt haben und auch in der aktuellen Jungle World steht zum Thema:“ Der bundesweite Zusammenschluss entscheidet sich im Zweifel für Kritik und Protest und hofft, damit auf der richtigen Seite zu stehen, statt zwischen allen Stühlen zu sitzen. Bisher hat das noch nicht geklappt. In Rostock war „..ums Ganze!“ nicht nur die kleinere Kopie des „Schwarzen Blocks“ der ALB, sondern ging auch inhaltlich unter.“
    Du hast sicherlich recht, „wo immer sich deutsche versammeln, um gemeinsam irgendwelche interessen zu vertreten, geht es gruselig zu.“ Das kann man ja auf jeder beliebigen Anti-Nazi-Aktion beobachten und auch in der Israelsolidarität findet man sich mitunter in der Gesellschaft von merkwürdigen Leuten auf Demos und Kundgebungen wieder, aber wenn der Anlass stimmt kann man das wohl in Kauf nehmen. Aber in Rostock hat eben der Anlass nicht gestimmt. Ihr habt im Vorfeld sicherlich eine recht gute Kritik der „Antiglobalisierungsbewegung“ geliefert, aber dann zu sagen „Scheiß egal, lass uns mitmachen!“ finde ich unmöglich. Wenn ihr wisst das
    es falsch ist, warum macht ihr trotzdem mit. Sehnsucht nach dem Konkreten und Unmittelbaren?
    Ach ja, wen willst du eigentlich mit der Aufzählung deiner Heldentaten beeindrucken? ;)

  1. 1 Philologisches Klo Trackback am 28. Juni 2007 um 18:34 Uhr
  2. 2 Die neue Jungle World | cliff cosmos Pingback am 12. Juli 2007 um 21:24 Uhr
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