Archiv für Mai 2007

Justus, wir lieben dich!

„Ich würde es nicht Hass nennen. Ich würde das einen Grad schlimmer bezeichnen: ich nenne es Verachtung!“
Bei antifamane gefunden und die ganze Nacht gehört: Ein Interview mit the incredible Justus Wertmüller zum antikapitalistischen Kameradschaftstreffen in Heiligendamm. So geil, vom ersten Satz an! Vor allem die Reaktionen des völlig unfähigen Moderators auf Justus klare Ansagen, die in Beleidigungen gegen den Bahamas Redakteur gipfelten, sind so witzig. Zudem ist allein schon das von Justus gebrachte Beispiel mit den angezündeten Autos in Kreuzberg so bezeichnend für den Zustand der globalisierungskritischen Linken.
Das ganze Interview könnt ihr euch hier anhören. Leider dauert das Gespräch nur eine knappe Viertelstunde, wahrscheinlich war es Justus dann echt zu blöd mit dem Moderator.

Meinungsfreiheit auf venezolanisch


In der Heimat des „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, dem national sozialistischen Venezuela des Hugo Chavez, ist es gestern zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Anlässlich der Schließung des regierungkritischen Senders RCTV hatten sich rund 5 000 Menschen in der Landeshauptstadt Caracas friedlich versammelt, um gegen den Einschnitt in die Meinungsfreiheit zu protestieren. Mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen griff die Polizei die 5000 DemonstrantInnen an. Mindestens drei Menschen wurden verletzt. Auch in der Universitätsstadt Valencia kam es am Montag zu Protesten, bei denen vier Studenten verletzt wurden. Die Polizei sei brutal vorgegangen und habe auch auf am Boden liegende Studenten geschossen, erzählte eine Demonstrantin. Der „linksgerichtete“ Präsident Hugo Chávez hatte die Lizenz für Radio Caracas Television (RCTV) nicht verlängert, weil der Sender im vergangenen Jahr eine Protestbewegung gegen ihn unterstützt hatte, die nach Regierungsangaben auch Putschpläne verfolgte. Der beliebte RCTV-Moderator Miguel Angel Rodriguez rief bei der Kundgebung: „Sie werden uns nicht zum Schweigen bringen!“ Auf der Frequenz von RCTV strahlte aber bereits ein neuer staatlicher Sender, TVES, sein Programm aus, begleitet von Lobliedern auf die Regierung. Die Schließung von RCTV wird Umfragen zufolge von 70 bis 80 Prozent der Venezolaner abgelehnt. Kritik kam auch von Mediengremien und der Kirche. Robert Menard von den „Reportern ohne Grenzen“ sprach von einer politischen Entscheidung, die von einer regierungstreuen Justiz abgesegnet worden sei. Dies sei eine klare Verletzung der Meinungsfreiheit. Bischof Baltazar Porras verglich Chavez mit Fidel Castro und Mussolini. Kritiker der Regierung hätten immer weniger Raum.
Absurd: Informationsminister William Lara klagte unterdessen gegen den venezolanischen Globovision und den US-Nachrichtensender CNN. Sie riefen zur Gewalt gegen Präsident Hugo Chavez auf und stellten ihn suggestiv auf eine Stufe mit Terroristen und Diktatoren, begründete Lara den Schritt. Der Direktor von Globovision bezeichnete die Vorwürfe als „lächerlich“.
Apropos Venezuela: In der aktuellen Bahamas ist ein interessanter Artikel von Philipp Lenhard zum Thema, den ihr euch hier durchlesen könnt.

What Ever Happened to Baby Jane?


„You mean . . . all this time we could have been friends?“

Und sonst so?

Da zur Zeit einige Radsportler mit dem wirklich völlig überraschenden Geständnis gedopt zu haben an die Öffentlichkeit treten, habe auch ich endlich den Mut zu gestehen: Ich war bei den Bundesjugendspielen 1995 völlig betrunken und bin daher als Zeichen meiner Reue bereit, meine unrechtmäßig erworbene Teilnehmerurkunde zurück zugeben. Schluchz!
Ansonsten musste ich in der letzten Woche feststellen, dass auch Lesben unter ernsten Beziehungsproblemen leiden. So berichtete mir eine Freundin von ihren Problemen bei der Partnerinnensuche, da alle interessierten Frauen das Weite suchen würden, wenn sie ihnen erzähle, dass sie jeden Tag um 6 zum Nietzsche lesen (zwecks Philosophie-Abschlussprüfung) aufstehe. Frauen, die das nicht entmutigt oder vielleicht sogar anmacht können sich an mich wenden, ich leite die Zuschriften dann weiter. Die gleiche Frau war es übrigens, die mich auf die krasse Ungerechtigkeit hinwies, dass überall nur Kondome verteilt werden aber nirgendwo „Lecktücher“ für Frauen, und das, obwohl sie sich schon mehrmals eine Mandelentzündung geholt habe. Ein berechtigter Hinweis! Und wo ich grad beim Thema bin: In den USA hat Mary Cheney, die lesbische Tochter von US- Vizepräsident Dick Cheney, einen Sohn zur Welt gebracht. Glückwunsch.
Sowieso die Homosexuellen mal wieder. In Polen forderte jüngst Anna Sobecka, ihres Zeichens Chefin des Parlamentsausschusses für Familien und Mitglied der nationalkatholischen „Liga Polnischer Familien“ von Bildungsminister Roman Giertych, ein Gesetz gegen „homosexuelle Propaganda“ im Fernsehen. Wenn damit der Aufruf zur Verbannung von asexuellen Serienquotenschwulen wie dem unsäglichen Georg Uecker alias Carsten Flöter aus der Lindenstraße gemeint ist, schließe ich mich auf jeden Fall der Forderung an. Ferner wurde ich Sonntag in einem Museum von einem katholischen Priester angeflirtet, vielleicht war das der Verfasser dieses interessanten Berichtes? Hätte ich doch mit gehen sollen..?
War noch was? Ach ja, der oft durch seine seltsamen Aussagen auffallende Junge Union Chef Philipp Mißfelder, der in der Vergangenheit schon mit Ideen wie keine Hüftgelenke für Senioren auffiel, fühlt sich bei den militanten Attacken von G-8-Gegnern an die Frühzeit des RAF-Terrorismus erinnert.
Apropos seltsame Aussagen: Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) will ihren Feldzug gegen die Lebensfreude fortführen und gegen das Rauchen im Fernsehen vorgehen. Wie die Saarbrücker Zeitung (Samstagausgabe) berichtet, hat Bätzing die Verantwortlichen der Privatsender und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu einem Gipfeltreffen eingeladen. Vielleicht sollte sich die Gute auch einfach mal an diese Crew wenden, auf die mich lysis aufmerksam machte.
However, Ich geh erst mal wandern..

„Wenn sie sich so in Gaza verhalten“

Kommentar von Ze’ev Schiff:

„Die bewaffneten palästinensischen Organisationen im Gazastreifen demonstrieren erneut, was zur Norm unter den Palästinensern geworden ist: Abkommen, zu denen sich die Führer verpflichten, haben keinen Wert. Es reicht, den palästinensischen Bürgern zuzuhören, die sich darüber beschweren, dass Vereinbarungen bezüglich der Feuerpausen keine Bedeutung haben. Abkommen werden geschlossen und unterzeichnet und dann sofort wieder gebrochen.

In der neuesten Runde der Gewalt haben sich die Krieg führenden Parteien bereits fünf Mal für eine Feuerpause entschieden. Doch jedes Mal sind sie innerhalb von Stunden dazu zurückgekehrt, sich gegenseitig zu töten und dabei Unbeteiligte zu verletzen. Wenn sie sich untereinander so benehmen, warum sollten sie mehr Skrupel hinsichtlich der Einhaltung von Abkommen mit Außenstehenden, wie zum Beispiel Israel, Jordanien oder Ägypten, haben? Dies ist eine wichtige Lektion, die Israel aus den derzeitigen Ereignissen in Gaza lernen muss.

Das Phänomen hat seinen Ursprung nicht in Gaza. Während des Bürgerkrieges im Libanon in den 1970er und 1980er Jahren stimmten die Palästinenser mehr als 90 Feuerpausen zu und unterzeichneten diesbezügliche Abkommen. Die meisten wurden durch schreckliches Blutvergießen gebrochen. Der Wunsch, die Palästinenser los zu werden, war der Grund, warum viele Schiiten im Libanon die Truppen der israelischen Verteidigungsarmee, die in den Libanon einmarschierten, begrüßten. Das Ziel, das ungebärdige Verhalten der Palästinenser zu beenden, war auch einer der Gründe der Invasion des Libanon durch Hafez Assad. In Jordanien fuhren die Palästinenser damit fort, die Abkommen, die sie mit König Hussein besiegelt hatten, zu brechen, bis dieser spürte, dass ihm die Regierung aus den Händen glitt. Auch dort beschworen die Palästinenser einen Bürgerkrieg herauf, in dem sie von der jordanischen Armee besiegt wurden. Der Höhepunkt ereignete sich vor nicht allzu langer Zeit, als die Palästinenser auf grobe Weise das Mekka-Abkommen für die Gründung einer palästinensischen Einheitsregierung verletzten noch bevor die Tinte auf dem Papier getrocknet war.

Es ist deshalb offensichtlich, dass die Palästinenser keine Abkommen halten wollen oder können. Sie finden immer eine Entschuldigung oder einen Vorwand, selbst wenn dies damit endet, dass sie sich ins eigene Fleisch schneiden. Einige sagen, dies passiert, weil die Palästinenser keine nationale Einheit haben. Doch unter Yassir Arafat gab es eine solche Einheit, er kontrollierte die Mehrheit seiner Organisationen, und er verletzte andauernd Abkommen.

Israel hat keine andere Wahl als weiterhin nach Abkommen mit den Palästinensern zu suchen. Doch es muss auch darauf bestehen, Sicherheitsmaßnahmen auszudehnen. Dies kann in der gegenwärtigen Situation zum Beispiel dadurch geschehen, dass das Westjordanland vom Gazastreifen isoliert wird und dass die Hamas daran gehindert wird, die Oberhand im Westjordanland zu bekommen. Aus diesem Grund müssen die meisten der sicherheitsbezogenen Passagen im Vorschlag des amerikanischen Generals Keith Dayton zurückgewiesen werden.

Eine weitere Lektion dessen, was im Gazastreifen vor sich geht, bezieht sich auf Ägypten. Dort geschieht etwas Seltsames. Zugegeben, die Ägypter haben ihre Bemühungen, gegen die Terroristen im Sinai vorzugehen, erhöht. Doch wenn man das ägyptische Vorgehen gegen Waffenschmuggler mit den jordanischen Bemühungen vergleicht, liegen die Ägypter weit zurück. Eine ernsthafte Angelegenheit ist auch die Art und Weise, in der Ägypten den Schmuggel von großen Geldsummen durch die Hamas – meistens aus dem Iran – in den Gazastreifen ignoriert. Alles, was Ägypten von denjenigen, die das Geld bei sich tragen, fordert, ist die Angabe der Geldmenge. Diese Gelder sind nicht für die zivile Bevölkerung im Gazastreifen bestimmt, sondern für den Aufbau einer Hamas-Armee. In Israel herrscht das Gefühl vor, dass Ägypten ein doppeltes Spiel beim Krieg gegen den Terror spielt.

Mittlerweile geht der Zermürbungskrieg zwischen Israel und der Hamas weiter, und es kann angenommen werden, dass dieser sich auf andere israelische Gemeinden, die in Raketenreichweite rücken, ausweitet. Die Hamas will einen Sieg gegen die Einwohner von Sderot, die ihre Stadt verlassen, und gegen Israel im Allgemeinen erreichen. Die Schläge, mit denen Israel reagiert, sind keine gravierenden. Gleichwohl ist es wichtig, dass sie nicht nachlassen. Auch das vorübergehende Eindringen in bestimmte Gebiete des Gazastreifens wäre eine Möglichkeit.

Die Hamas und die anderen palästinensischen Organisationen, die vor allem versuchen, zivile Ziele in Israel zu treffen, beklagen sich nun, wenn palästinensische Zivilisten Schaden nehmen. Israel darf palästinensische Zivilisten nicht für die Angriffe auf seine Gemeinden bestrafen. Doch es muss sofort auf palästinensischen Beschuss reagieren und die Quelle des Beschusses angreifen, selbst wenn dabei Zivilisten verletzt werden. Dies ist das grundsätzliche und natürliche Recht der Verteidigung. Die Tatsache, dass Russland der erste Staat war, der Israel deswegen kritisiert hat, ist ausgesprochen lächerlich. Israel sollte darauf achten, im Gazastreifen nicht das zu tun, was die Russen mit schrecklicher Brutalität in Tschetschenien tun. Die Norweger, Israels frühere Freunde, ignorieren, was in Sderot geschieht. Während die Kassam-Raketen abgeschossen wurden, kündigten sie einen Geldtransfer an die palästinensische Autonomiebehörde an. Dieses Geld wird mit Sicherheit seinen Weg zur Hamas finden, mit anderen Worten: zu denjenigen, die die Raketen abschießen. Bei solchen Freunden braucht man keine Feinde.“

(Ha’aretz, 25.05.07)