Hartz 4 tötet

Vor ein paar Jahren stampften nicht nur die antiamerikanischen „Friedensdemos“ durch die deutschen Städte, sondern auch die „Montagsdemos“ gegen Hartz 4, die trotz vieler personeller Überschneidungen den Unterschied hatten, dass ein Gutteil der DemonstrantInnen tatsächlich „betroffen“ von dem war, wogegen sie sich öffentlich wendeten. Die Alimente von Millionen langfristig aus der korporatistischen Sozialpartnerschaft Ausgeschlossener wurden drastisch gekürzt, während zugleich die staatliche Zugriffsbefugnis auf die Lebensumstände dieser Ausgeschlossenen sich ebenso drastisch ausdehnten.
Mir wurde erzählt, dass „Hartz 4 tötet“ damals auf diesen „Montagsdemos“ eine beliebte Parole gewesen sei. Jetzt stellt sich heraus, dass die DemonstranInnen damit leider gar nicht so unrecht hatten: Wie ich in der FAZ las ist in Speyer ein 20 Jähriger Hartz 4 Empfänger in seiner Wohnung verhungert, nachdem die Stadt Speyer alle Zahlungen an den jungen Mann eingestellt hatte, als sich dieser „erdreistet“ hatte, Arbeitsangebote der Stadt trotz Bezugskürzungen abzulehnen.
Der 20-Jährige war am Sonntag tot in seiner Wohnung in der Speyerer Innenstadt aufgefunden worden. Der Hartz-IV-Empfänger hatte mit seiner ebenfalls arbeitslosen Mutter in der Wohnung zusammengelebt, die ebenfalls starke Zeichen von Mangelernährung zeigte. Bekannte der Mutter hatten die Polizei alarmiert. Nach dem Ergebnis der Obduktion konnte sich der junge Mann bereits seit Monaten nicht mehr anständig ernähren und war regelrecht verhungert. In ersten Vernehmungen gab die 48-Jährige an, sie und ihr Sohn hätten aus Geldmangel seit längerer Zeit keine Lebensmittel mehr kaufen können. Ein Sprecher der Stadt, Matthias Nowack, sprach zynisch von einem „tragischen Fall“.
…und hier habe ich noch einen interessanten Artikel von Uli Krug und Karl Nele über Hartz Vier und die Kontinuität deutscher Krisenbewältigung, Verstaatlichung der Arbeitskraft aus der Bahamas Nr. 45, ich zitier mal das Ende „Was für eine wundervolle Vorstellung wäre es, einmal eine Demo mitzuerleben, auf der nicht mit, sondern gegen Verdi Hartz IV in seiner deutsch-sozialdemokratischen Kontinuität angeprangert würde; oder, wenn einmal eine Gruppe junger Arbeitsloser die Abschaffung des Berufsbeamtentums und das Ende der generationellen Abschottung des „ersten Arbeitsmarktes“ fordern würde – doch dafür spricht leider ebenso wenig wie dafür, daß die UN-Vollversammlung nur einmal den arabischen Judenhaß verurteilt.“


3 Antworten auf „Hartz 4 tötet“


  1. 1 lysis 19. April 2007 um 0:30 Uhr

    Cliffi, Cliffi, was hat denn der BAHAMAS-Artikel, der das amerikanische Arbeitsmarktsystem anpreist, in dem immerhin 35 Millionen Menschen unter Hunger leiden müssen, mit der Kritik am Hungertod eines Hartz-IV-Empfängers zu tun?

  2. 2 cliffcosmos 19. April 2007 um 14:56 Uhr

    lysi, lysi, denk vielleicht noch mal drüber nach! Aber ich finde es schon bezeichnend, dass du selbst den Tod eines deutschen Hartz 4 Empfängers für deine antiamerikanische Hetzte nutzt.

  1. 1 Wartezeit überbrücken … :: Hartz IV kills - Kill Hartz IV :: April :: 2007 Pingback am 19. April 2007 um 0:21 Uhr
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