„Die schöne junge Welt der Stasiveteranen“

Ich muss gestehen, ganz ganz früher ein Abo der jungen Welt bezogen zu haben, etwas weniger früher sogar einen Vortrag mit einem junge Welt Redakteur organisiert zu haben und auch heute noch manchmal bei Leuten/ an Orten zu sein, wo die junge Welt rumliegt „..wegen der sozialen Themen und so“, wie sich die betreffenden Leute dann rechtfertigen, aber wer sich rechtfertigt klagt sich nur selbst an. Wie auch immer, in der nicht jungen „Welt“ steht ein Artikel über die auflagenstärkste Tageszeitung der DDR (ja, damals noch vor dem „Neuen Deutschland“). Erschreckenderweise hat das Antiimp-Über Ich auch heute noch 17 000 Abonnenten.

„Die schöne junge Welt der Stasiveteranen
Der ehemalige RAF-Terrorist Christian Klar hat gute Beziehungen zur „Jungen Welt“, dem früheren Zentralorgan der SED-Jugendorganisation. Ein Blick hinter die Kulissen der Zeitung zeigt, dass sich dort ein Sammelbecken für Stasi-Kader gebildet hat.

Es gelte, „die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen“, ließ der Ex-RAF-Terrorist Christian Klar die Zuhörer der Rosa-Luxemburg-Konferenz im Januar in Berlin wissen. Es war kein Zufall, dass er seine antikapitalistische Grußbotschaft aus dem Gefängnis ausgerechnet hier platzierte. Initiiert worden war diese Konferenz von der Tageszeitung „Junge Welt“, in der Klars Text schon vorab zu lesen war. Zwischen der Redaktion des vermeintlich unabhängigen linken Blattes, ihrem politischen Umfeld und dem RAF-Veteranen bestehen aber alte Bande – die auf das Wirken des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR zurückgehen.
Mitten im Kalten Krieg, nämlich im Juli 1980, war Christian Klar zu Oberst Harry Dahl nach Ost-Berlin gereist, um kampfesmüde Kameraden in der von der Außenwelt gut abgeschirmten DDR in Sicherheit zu bringen. Dabei diktierte die Stasi die Bedingungen: Die RAF-Leute sollten auf dem Gebiet der DDR dem Terrorismus abschwören und die Beteiligung des MfS an dem Deal ihr Leben lang verschweigen. Zehn RAF-Mitglieder fanden in der DDR eine neue Heimat, während die anderen, noch aktiven Kollegen vor den Augen der Staatssicherheit unbehelligt ein- und ausreisen und Waffen schmuggeln konnten, beinahe wie ihnen beliebte.
Sammelbecken für unverbesserliche Stasi-Funktionäre
In der „Jungen Welt“ laufen all diese Fäden zusammen. Schon seit Längerem dient das einstige FDJ-Zentralorgan als Sammelbecken für ewig gestrige Linke, Verschwörungstheoretiker, offizielle und informelle Mitarbeiter der Stasi sowie Exspione aus allen Teilen Deutschlands. Die Zeitung gehört zu den merkwürdigsten Presseerzeugnissen des Landes, und das mit einer steigenden Auflage von derzeit 17000 Stück.
Seit Klars Grußbotschaft im Januar geht es bei der „Jungen Welt“ turbulenter zu als sonst. Die Verlagsleitung, ständig auf der Suche nach Argumenten, die die Existenz der Zeitung rechtfertigen, äußerte sich kürzlich in der Erklärung „Wir entscheiden selbst“. „Junge Welt“-Verleger Dietmar Koschmieder kritisiert darin die breite Kritik an Klars Botschaft, die mitten hinein in die Überlegungen des Bundespräsidenten Horst Köhler zu seinem Gnadengesuch platzte.
Den „Niedergang des bürgerlich-demokratischen Systems inklusive seiner Medien“ findet er dadurch einmal mehr bestätigt. Den Kritikern Klars unterstellt er die Überzeugung, dass jeder, der links und antikapitalistisch denke, „hinter Gitter“ gehöre, „in die Psychiatrie oder gleich aufgehängt“.
Koschmieder selbst ist Mitglied der DKP, des Überbleibsels der alten moskautreuen Kommunistischen Partei der Bundesrepublik. Sein Chefredakteur Arnold Schölzel schrieb, nachdem er Ende der 60er-Jahre aus der Bundesrepublik in die DDR gegangen war, bis 1989 meterweise Berichte als inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi, die der „Welt am Sonntag“ in Auszügen vorliegen. Aus diesen Akten geht hervor, dass Schölzel alias IM „André Holzer“ jahrelang eine studentische Oppositionsgruppe der Humboldt-Universität bespitzelte, der er zum Schein selbst angehörte, und zeitweise täglich detaillierte Informationen an die Staatssicherheit weitergab.
Viele Führungskräfte haben Spitzel-Erfahrung
Der ausspionierten Studentengruppe gehörten unter anderen der Bürgerrechtler Wolfgang Templin, der heutige Chefredakteur der Zeitschrift „Sinn und Form“, Sebastian Kleinschmidt und der „BasisDruck“-Verleger Klaus Wolfram an. Stefan Wolle vom Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin nennt Schölzel einen „IM aus wirklicher Begeisterung, der mit größter Perfidie die Menschen, mit denen er befreundet war, permanent hinterging.“
Auch andere Führungskräfte der „Jungen Welt“ haben eine Vergangenheit als Spitzel. Der Ressortleiter Innenpolitik der „Jungen Welt“, Peter Wolter, arbeitete als „Kundschafter des Friedens“ und versorgte als Westjournalist die DDR mit Informationen. Er wurde dafür Mitte der 90er-Jahre zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der ebenfalls rechtskräftig verurteilte Rainer Rupp, Kommentator im Bereich Außenpolitik, war einer der Topspione der DDR in Westdeutschland, Deckname „Topas“. Sie alle bestimmen die Linie eines Blattes, das sich selbst als „marxistisch“ beschreibt: antiamerikanisch und antiisraelisch, im Zweifel für Slobodan Milosevic, für den Iran, für China, das kommunistische Kuba und den venezolanischen Machthaber Hugo Chávez. Dessen Bestrebungen zur Bildung einer sozialistischen Einheitspartei landen als Spitzenmeldung schon mal auf Seite eins. Chávez wird dort in ähnlicher Weise gefeiert wie einst die Größen des SED-Staates.
Die „Junge Welt“ lässt kaum eine Gelegenheit aus, Deutschlands demokratische Institutionen zu diskreditieren. Als der Bundestag kürzlich über den Tornadoeinsatz in Afghanistan und die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre abstimmte, titelte man: „Krieg bis 67“, und schrieb: „Selten wurde Politik so direkt am Volk vorbei gemacht.“ Pikanterweise gehört ausgerechnet die Rehabilitierung des real existierenden Sozialismus und der Staatssicherheit zum erklärten Ziel des Blattes.
Inszenierte Empörung der Stasi-Funktionäre
Voriges Jahr inszenierten ehemalige MfS-Angehörige in der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen einen Auftritt, bei dem frühere Stasi-Opfer verhöhnt wurden. Die Ex-Stasimitarbeiter hatten ihren Schritt in die Öffentlichkeit jahrelang vorbereitet – mithilfe der „Jungen Welt“. Immer wieder waren dort Interviews und Erklärungen ehemaliger Stasiverantwortlicher erschienen. Nachrufe auf verstorbene Kameraden überschrieb man mit zynischen Sprüchen wie: „Im MfS und Spaß dabei“.
Beharrlich bestreiten die Ex-Stasigrößen, dass es heute so etwas wie Netzwerke aus alten Tagen gäbe. Sie verbreiten den Anschein, als hätte man sich nach 1989 kampflos ergeben und streite heute für nichts anderes als linke Ideale.
Schlagworte
Auch MfS-Oberst Harry Dahl gehört zu den Unterzeichnern mindestens eines der erwähnten Stasi-appelle. 2001 fordert er in der Erklärung „Kameradschaftliche Beziehungen“ ein Ende der „Hexenjagd“ auf ehemalige MfS-Mitarbeiter. Das Ministerium solle endlich in „seinem historischen Kontext“ bewertet werden. Das dreiteilige Interview mit fünf ranghohen Ex-Generälen des Staatssicherheitsdienstes, das sich an die Erklärung anschloss, führte kein Geringerer als Arnold Schölzel, Chefredakteur der „Jungen Welt“.“

(Jana Hensel( Welt 31.03.2007)

..ansonsten verweise ich noch auf den unglaublichen Onlineshop der jungen Welt, aus dem ihr bitte die Geschenke für meinen nächsten Geburtstag organisiert!


6 Antworten auf „„Die schöne junge Welt der Stasiveteranen““


  1. 1 salzundessick 01. April 2007 um 19:02 Uhr

    wenn ich nur wuesste, wann du geburtstag hast

  2. 2 cliffcosmos 01. April 2007 um 19:12 Uhr

    im Oktober <:-p

  3. 3 salzundessick 01. April 2007 um 20:20 Uhr

    na, das ist ja noch ein bisschen. gucken wir doch mal, was der jw-shop dann hergibt :-)

  4. 4 phex 02. April 2007 um 9:02 Uhr

    das hört sich doch zum Beispiel sehr interessant an:

    Geheimoperation Nahost
    Brentjes, Burchard
    Zur Vorgeschichte der Zusammenarbeit von Mossad und BND. Wie die Nazis mit den Zionisten kooperierten Die Nationalsozialisten wollten die Weltherrschaft. Deshalb kooperierten sie eine Zeitlang auch mit den Zionisten. Die Zionisten hingegen wollten in Nahost einen eigenen Staat, der ihnen von den Briten versprochen, aber nicht gegeben worden war. Also verbündeten sie sich zeitweilig mit den Faschisten, getreu dem Motto: Die Feinde unseres Feindes sind unsere Freunde … Über dieses finstere Kapitel ist bislang so gut wie nichts publiziert worden. Kein Wunder: Es ist das Werk von Geheimdiensten. Hier liegen auch die Wurzeln der Kooperation von BND und Mossad. Und darüber spricht man nicht gern – weder in der Bundesrepublik noch in Israel. Burchard Brentjes hält sich nicht an diese Verabredung. Das Neue Berlin, 2001, 256 Seiten

    :D

  5. 5 mike 14. Juli 2007 um 12:21 Uhr

    jana hensel hat noch nen text über stasi-kinder geschrieben. schaut mal hier

  1. 1 Torben-Friedrich.de » Anne Siemens Pingback am 02. April 2007 um 11:00 Uhr
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