Archiv für April 2007

Frisurfaschismus

The Rakes singen auf ihrem neuen Album „The world was in a mess but his hair was perfect“, aber selbst diesen kleinen Trost können sich die Männer im Iran fortan abschminken.
Wie ich heute erfuhr haben die iranischen Sittenwächter ihr striktes Vorgehen gegen modische Männer weiter verschärft, denn nun sind im „Gottesstaat“ keine „westlichen“ Frisuren mehr erlaubt, wobei mir gerade etwas unkar ist, was denn eine „westliche“ Frisur ausmacht. „Westliche“ Haarschnitte, Make-up für Männer und das Färben und Zupfen der Augenbrauen seien künftig verboten, berichtete die Zeitung „Etemad“ in ihrer Sonntagsausgabe. Sämtliche Make-up-Utensilien und Kosmetikartikel für Männer müssen aus den Salons verschwinden. Entsprechende Anordnungen habe die Polizei in den Friseursalons des Landes erteilt. Männliche Friseure dürften außerdem keine Krawatten oder Fliegen mehr tragen.Verstöße gegen die neuen Anweisungen würden mit einer zunächst auf einen Monat befristeten Schließung des Friseurladens oder dem Entzug der Geschäftslizenz geahndet werden.
Der iranische Herrenfriseur-Verband warnte, die neuen Vorschriften seien nur schwer einzuhalten. Selbst wenn die Verbandsmitglieder sich an die Vorschriften hielten, gebe es weiter Hunderte Friseurläden ohne Lizenz, die die Regeln womöglich missachteten, zitierte „Etemad“ den Verbandschef Mohammad Efthegari-Fard. Viele junge Leute ließen sich ihren Haarschnitt von Laien-Friseuren verpassen.
Dabei sind diese neuen Formen des Frisurfaschismus nur der Gipfel einer Reihe von ungeheuerlichen Eingriffen in die Privatsphäre der Menschen im Iran. Erst am vergangenen Wochenende hatten 2000 Studenten der Universität Schiras gegen neue Vorschriften protestiert, die ihnen das Tragen kurzärmliger Oberteile und kurzer Hosen außerhalb ihrer eigenen Zimmer verbieten. Noch schlimmer trifft es die Frauen im Iran. Sie werden im Iran neuerdings auf der Straße angehalten, wenn sie sich nach Auffassung der Sittenpolizei in „figurbetonter Kleidung“ oder nicht „ausreichend verhüllt“ zeigen. Schon am Tag nach Beginn der Kampagne wurden nach offiziellen Angaben knapp 1500 Frauen verwarnt. Bei Widerstand droht den Frauen Polizeigewahrsam.

Insane in the brain

Auf einigen Blogs des Blogsport Planeten scheint endgültig der Wahnsinn ausgebrochen zu sein: Anlass ist Ivo Bs Rückblick auf die Geschichte der Demos zum 1. Mai in Berlin aus der aktuellen Jungle World, genauer dieser Auszug

„Gedenkstätten zeichnen sich in der Regel zumindest durch eine Hinweistafel oder ein Denkmal aus. Im Fall der Gedenkstätte für die Riots vom 1. Mai 1987 war es aber nur eine Freifläche, eine Baulücke im Herzen Kreuzbergs, eine fehlende Häuserecke am Görlitzer Bahnhof, darauf Reste einer Ruine. Dort stand bis zu jenem ersten warmen Tag des Jahres 1987 ein Bolle-Supermarkt, der im Zuge der Krawalle zunächst geplündert und dann angezündet wurde. Eine Neubebauung des Geländes war lange Zeit nicht denkbar; sie wäre von der autonomen Szene in Kreuzberg sicherlich als Angriff auf die historische Authentizität des Kiezes gewertet worden. Heute steht dort eine fast fertig gestellte riesige Moschee. Sie muss nicht fürchten, Opfer von Plünderung und Zündelei zu werden am kommenden 1. Mai, und das nicht nur, weil es dort mit Sicherheit keine Schnapsflaschen einzustecken gibt. Die Verteidigung eines von McDonald’s freien multikulturellen Bezirks SO 36 in Kreuzberg ist ein konstituierendes Moment der Berliner autonomen Bewegung.

So weit, so normal, nicht normal ist hingegen, was die üblichen Verdächtigen projizieren. So sehen zeank und ascetonym allen Ernstes in der Passage einen Aufruf zur Brandschatzung an irgendwelchen Moscheen.
Das ist nicht mehr die leider schon gewohnte Feindbildpflege, das ist bereits üble Nachrede.
Obwohl es bekanntlich keinen Sinn macht, mit dergestalt hasserfüllten Leuten zu diskutieren hat Ivo trotzdem ein Statement abgegeben:

hmm, ich weiß zwar nicht, warum ich argumentieren soll, wenn hier alle anderen nur paranoid herumpolemisieren, aber nun gut.
ich habe selbstverständlich weder geschrieben noch gemeint, dass man die moschee anzünden soll. wer das daraus liest, WILL das daraus lesen.
tatsache ist, dass ein wichtiges thema der autonomen, von UNS autonomen war, den kiez gegen die durchkapitalisierung und modernisierung zu verteidigen, was manchmal, auch richtig war, zum teil aber auch zu so völlig absurden dingen geführt hat, wie die kampagne “oberbaumbrücke bleibt stadtringlücke”. JEDE umstrukturierung des “eigenen” kiezes wurde als einmischung in die gewünschte selbstbestimmung der kiez-gemeinschaft betrachtet.
zu dem kiez-kuschel-bild gehörte auch die vermeintliche multi-kulturelle verfasstheit. deshalb konnte vermutlich NUR eine moschee dort an diesem für die autonomen heiligen ort gebaut werden, oder es hätte auch ein hindu-tempel oder event. eine falaffelbude sein können, aber keinesfalls ein parkhaus, ein fernsehstudio oder mc donald’s. naja und ob die “multi”kulturelle nachbarschaft den bau einer synagoge begrüßt hätte, könnte man auch bezweifeln.
das sagt etwas über die identitäre kiezpolitik der autonomen aus, und über ihr kulturrelativistisches multikulti-verständis.
DAS wollte ich damit gesagt haben. nein, genau das und nichts anderes HABE ich gesagt, und drum nutzt es vermutlich auch nichts es jetzt nochmal gesagt zu haben, weil hier ja lieber feindbildpflege betrieben wird.

Um euch ein eigenes Bild zu machen verweise ich auf den ganzen Artikel 1., 2., 3. Mai

»Früher hat ein Stein noch wehgetan«

Sehr amüsiert hat mich heute der Artikel „Anna und Arthur halten´s Maul“ in der neuen Jungle World, in dem sich Daniel Steinmeier und Nicole Tomasek auf die Suche nach den letzten Autonomen begeben haben und dabei allerlei skurrile Interviews führen konnten. Ich habe hier mal für euch die besten Statements gesammelt:

»Aufs My-Fest gehe ich aber bestimmt nicht«, empört er sich. Dieses Straßenfest, das seiner Meinung nach »nur zur Befriedung und Entpolitisierung des 1. Mai« diene, das »haben auch noch alte Hausbesetzer initiiert, weil die heute Angst um ihre Autos haben«.
(Topse)
Bist du Autonomer? – »Klar.« – Was machst du am 1. Mai? – »Autos anzünden.«
(Lemmy)
»Früher hat ein Stein noch wehgetan«
(Paule)
»Wenn man heute mit der Polizei darüber diskutieren muss, dass die Länge von Seitentransparenten unter 1,50 Metern bleibt, hat das nichts mehr mit ›autonom‹ zu tun«
(Klaus)
»Klar, vielen ist das hier zu krass. Hat ja nicht jeder Bock auf Kotze am Schuh.«
(Nick)
es sei immer wieder »voll geil, wenn man mit 40 Leuten aus verschiedenen Ländern einen Konsens findet. Also schreib nicht so’n Scheiß übers ›Plenum‹. Da machen sich alle immer drüber lustig, die Reportagen über die Szene schreiben.«
(Nick)
Auch wenn man, wie David meint, »angesichts vermummter Polizisten und von allen Seiten gefilmter Demonstranten eigentlich kaum noch demonstrieren kann«.
(David)
»Aber wenn mal eine Zeitarbeitsfirma brennt, dann schreibt die Jungle World irgendwas von blindem Aktionismus.«
(David)
…den ganzen Artikel findet ihr hier während hier schon oder noch über die Frage Hassi oder Hoodie sinniert wird.

(Autonome?)

Zufall?


Ob ein Zusammenhang zwischen der Entlassung von Biggi Mohnhaupt und dieser Sache besteht?

Antisemitismus in jordanischen Zeitungen

Das Intelligence and Terrorism Information Center im Israel Intelligence Heritage & Commemoration Center (IICC) berichtet in „The hate industry“ über antisemitische Zeitungsartikel und Karikaturen aus Jordanien. Unter anderem über dieses widerwärtige Beispiel (welches gleichzeitig im Vergleich zu den anderen Sachen noch eines der harmloseren Beispiele ist)
, eine Karikatur des jordanisch-palästinensischen Zeichners Jalal al-Rifa‘i aus der Tageszeitung „Ad-Dustour“ vom 26. Februar, die die typische Verbindung von antizionistisch-antisemitischer mit antiamerikanischer Hetze repräsentiert. Dabei meinte doch noch im letzten Jahr in einer doch recht heftigen Diskussion ein gewisser Sozialwissenschaftler zu mir, es gebe gar keinen Antisemitismus in der islamischen Welt. Seltsam! Während ich noch überlege, ob ich mich auf zur jordanischen Botschaft mache oder es doch bei einem Boykott jordanischer Produkte belasse, könnt ihr euch hier den ganzen Artikel durchlesen.