Archiv für März 2007

Robbie Williams relativiert die Shoa


Der Titel des shoarelativierenden Arschlochs des Tages geht heute eindeutig an den Popsänger Robbie Williams. Der frühere Boygrouptänzer und heutige Ü30 Ikone hatte seinen dreiwöchigen Aufenthalt in einer amerikanischen Entzugsklinik als „schlimmer als in einem Konzentrationslager“ bezeichnet. Anscheinend hat der jahrelange Drogenkonsum bereits schwere Schäden an Williams Gehirn verursacht. Die Klinik, in der er sich wegen seiner Medikamentenabhängigkeit behandeln ließ, hat eine Beleidigungsklage gegen das Popmoppelchen angekündigt, ein Mitarbeiter stellte klar: „Wir sind eine der angesehensten Reha-Kliniken in der Welt, und was dieser Mann gesagt hat, ist empörend. Unser Vorstand hat sich juristisch beraten lassen und bereitet eine Klage wegen Diffamierung vor. Alle Mitarbeiter stehen zu 100 Prozent dahinter.“
Ich habe mich eh schon des öfteren gefragt, was so viele Leute an Williams finden, musikalisch wie optisch spricht der mich echt nicht an, intellektuell hat er sich auch spätestens mit dieser Aussage disqualifiziert und so bleibt wohl als einzig interessanter Aspekt die Tatsache, dass er sich früher mit den anderen von „Take That“ im Tourbus regelmäßig gemeinschaftlich einen runtergehohlt hat, wie ich neulich durch Zufall im TV erfuhr.

Standpunkt des Staates Israel zur palästinensischen Einheitsregierung

1. In der Regierungserklärung der palästinensischen Einheitsregierung sind die drei Forderungen des Nahostquartetts (Anerkennung des Staates Israel, Abkehr von Gewalt und Einhaltung aller zwischen Israel und der PA geschlossenen Verträge) nicht erfüllt. Darum hat sich die Position der israelischen Regierung nicht geändert. Israel kann diese Regierung nicht anerkennen und nicht mit ihr oder einem Teil von ihr zusammenarbeiten.

2. Israel erwartet, dass die internationale Gemeinschaft an ihren Prinzipien festhält und mit dieser Regierung verfährt, wie sie mit der vorherigen auch umgegangen ist, d.h., solange die drei Forderungen nicht erfüllt sind, hat diese Regierung keine internationale Legitimierung und die internationale Gemeinschaft wird keinen Kontakt zu ihr haben und sie nicht finanziell unterstützen.

3. Die Regierungserklärung der palästinensischen Einheitsregierung spiegelt Positionen wider, die sogar extremer sind als die im Abkommen von Fatah und Hamas, und beweist, dass die Extremisten die Moderaten auf ihre Seite gezogen haben:

a) Die Regierungserklärung stellt zwar fest, dass jede Verhandlung vom Vorsitzenden der PA geleitet wird, aber jede Entscheidung der Zustimmung des palästinensischen Parlaments (PNC) oder eines Referendums bedarf. Das bedeutet, jede Verhandlung ist von vornherein Bedingungen unterworfen.

b) Die Ausweitung der Waffenruhe auch auf das Westjordanland steht im Gegensatz zur Institutionalisierung der Gewalt als legitimes Recht. Beides ist in der Regierungserklärung verankert, d.h., dass diese Waffenruhe nur eine taktische Auszeit sein wird, in der die Terrororganisationen neue Kräfte sammeln.

c) Die palästinensische Einheitsregierung bezeichnet sich selbst zwar als die Instanz, die „helfen wird, schnell eine Lösung für das Problem des entführten Soldaten herbeizuführen“, aber die Hamas, die ein Teil dieser Regierung ist, ist die Terrororganisation, die den Soldaten Gilad Shalit entführt hat.

d) Die palästinensische Einheitsregierung besteht auf dem Recht auf „Widerstand“. Es gibt keine Abkehr vom Terror, im Gegenteil, der bewaffnete Widerstand wird institutionell legalisiert.

d) Die Road Map wird in der Regierungserklärung an keiner Stelle erwähnt. Mit dieser Erklärung wird sogar die Möglichkeit der Ausrufung eines palästinensischen Staates in provisorischen Grenzen, wie es in der Road Map vorgesehen ist, unmöglich gemacht.

4. Der Staat Israel fordert, dass die palästinensische Einheitsregierung die drei Bedingungen der internationalen Gemeinschaft sofort erfüllt und den Soldaten Gilad Shalit umgehend freilässt.

5. Israel sieht sich der Road Map und der Vision von zwei Staaten verpflichtet und wird weiter Kontakt zu palästinensischen moderaten Kräften pflegen, die sich von dieser Regierung und ihrer Ideologie distanzieren.

Israelisches Aussenministerium 16.03.2007

„Entweder du leidest, oder du wächst“

Neulich habe ich einen sehr bewegenden Artikel über eine junge Frau aus Israel, Lea Saban, gelesen, die über einen suizidalen Massenmord mittels Autobomben berichtet, bei dem sie starke Verbrennungen erlitten hat. Ihre Geschichte möchte ich hier stellvertretend für die Tausenden durch palästinensische Mörderbanden Verstümmelten und Ermordeten dokumentieren:

„Entweder du leidest, oder du wächst“
„Jeder Grashalm hat seinen Engel, der sich über ihn beugt und flüstert: „Wachse, wachse.“ (aus dem Talmud)

(Lea Saban nach dem Anschlag 2001)
Verbranntes Haar, verbrannte Haut. Bis heute geht ihr der Geruch nicht aus der Nase. Lea Saban (23), Tochter tunesischer Einwanderer und Älteste von acht Geschwistern, zieht genüsslich an ihrer Zigarette. Volle, weiche Lippen, makellose Haut, dichte, geschwungene Augenbrauen. Lea Sabans Gesicht ist atemberaubend schön.
Das Fotomodell sitzt an der Fensterfront des „Café Hillel“, eines beliebten Coffee-Shops an der quirligen Jaffa Straße. Es ist ein verregneter Nachmittag. Die meisten Kunden – Geschäftsleute, Studenten, Touristen – kaufen ihren „Coffee to go“ und tauchen mit den dampfenden Pappbechern im Regenschirmmeer der israelischen Hauptstadt unter. Lea hat es nicht eilig. Sie ist mit dem Café schicksalhaft verbunden. Es ist der Ort, der für sie zum Ausgangspunkt eines apokalyptischen Szenarios wurde. Es ist der Ort, an den sie so oft wie möglich zurückkehrt, an dem sie sich zuhause fühlt.
Es geschah am 1. Dezember 2001. Es war eine Zeit, während der fast täglich Israelis bei Selbstmordattentaten ums Leben kamen. In Bussen, Cafés, Fußgängerzonen. Der Terror war allgegenwärtig. Trotzdem, das Leben ging weiter. Lea, vor wenigen Tagen 18 geworden, ging mit fünf Freundinnen aus, um im „Café Hillel“ ihren Geburtstag nachzufeiern. „Ich war den ganzen Tag unheimlich nervös“, sagt Lea und ihre großen, goldenen Ohrringe beginnen zu schaukeln. „Ich konnte nicht still sitzen und hatte so ein ungutes Gefühl im Bauch. Um elf machten wir uns auf den Nachhauseweg.“
Lea muss als einzige in eine andere Richtung. Sie wickelt den Strick-Poncho fest um ihren Oberkörper und geht mit verschränkten Armen los. Vorbei an angetrunkenen Jugendlichen, kichernden Mädchen-Cliquen, verrauchten Bars. Jerusalems Ausgeh-Meile pulsiert. Dann plötzlich: eine Explosion.
Flammen, Blut und Schreie. Der Geruch von verbrannter Haut steigt Lea in die Nase. Ein Selbstmordattentäter hat sich in die Luft gejagt. Lea rennt durch das Chaos, stolpert über Leichen und Verletzte. Sie will helfen. Wenige Sekunden später: eine zweite Explosion in der wenige Schritte entfernten Fußgängerzone Ben Jehuda. Lea rennt. So schnell wie sie noch nie in ihrem Leben gerannt ist. „Ich dachte, ganz Jerusalem steht in Flammen.“ Nebenbei kramt sie das Handy aus der Handtasche. „Mama, mit mir ist alles okay“, ruft sie außer Atem, als sie von der Druckwelle einer dritten Explosion meterweit durch die Luft geschleudert wird. Neben ihr ist eine Autobombe hoch gegangen.
Lea brennt lichterloh. Sie hat das Gefühl zu ersticken. Und trotzdem: Sie rennt weiter, betet das jüdische Glaubensbekenntnis „Schma Israel“. Von hinten schmeißt sich jemand auf sie, beginnt sie zu löschen. Die ersten Rettungswagen treffen ein. Lea läuft weiter, zieht sich mit letzter Kraft über einen zwei Meter hohen Metallzaun, springt auf die andere Seite. Nur weg vom Flammeninferno. Der Zaun steht bis heute. Die Stelle, an der Lea mit letzter Kraft über ihn geklettert ist, ist schwarz verkokelt. „Ich wollte nicht sterben. Nicht hier in einer dunklen Gassen. Nicht jetzt, so kurz nach meinem 18. Geburtstag.“
Lea wird ins Krankenhaus „Sha’are Zedek“ eingeliefert. Die Abteilung ist voll mit anderen Verletzten. Über 100 junge Menschen, fast alle minderjährig, kämpfen mit schweren Verbrennungen. Elf junge Männer und Frauen sind gestorben. Zwei Selbstmordattentäter haben den teuflischen Plan ausgeheckt. Die Autobombe sollte zünden, wenn die ersten Rettungswagen eintreffen. Ihr Plan ist aufgegangen. Für ihre Gefährten wurden sie so zu Märtyrern, zu Helden ihrer Gesellschaft.
Lea hat Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Die Hände, das Gesicht, den Rücken hat es besonders schwer getroffen. Die Ärzte drängen auf eine Hauttransplantation. Lea verweigert die Unterschrift. „Gott hat mich in diese Situation gebracht, jetzt soll er mich da auch wieder raus holen.“, sagt sie resolut. Sogar ihre religiösen Eltern sind über die Bestimmtheit ihrer ältesten Tochter erschrocken.
Abends fährt sie heimlich mit dem Rollstuhl in die Synagoge des Krankenhauses. Mit ihren verbundenen Händen, streicht sie über die Tora. „Gott, Du kannst mir nicht entkommen. Meine Haut ist Deine Haut. Bring’ sie wieder in Ordnung. Mach’ Dir selbst keine Schande!“
Zwei Monate liegt Lea im Krankenhaus. Eine schmerzvolle Zeit, während der sie erwachsen wird. Sie will sich alles von der Seele schreiben. Weil sie wegen der verbundenen Hände noch keinen Stift halten kann, prägt sie sich ihre Gedichte mit Hilfe kurzer Melodien ein.
„Mir wurde schnell klar, dass es zwei Wege gibt, mit der Situation umzugehen: Entweder Du leidest, oder Du wächst.“ Lea wächst – über sich hinaus. Ärzte, Familie und Freunde bewundern sie für ihren unerschütterlichen Glauben an Gott. Und ohne eine OP geschieht das Unglaubliche: Entgegen aller medizinischer Diagnosen beginnt Leas Haut nachzuwachsen. „Ich bin durch meinen festen Glauben geheilt worden.“, davon ist Lea überzeugt.
Ihren Retter trifft sie Monate später zufällig in einem Einkaufszentrum wieder. Beim Sicherheits-Cheque piepst der Detektor, als er über Leas Körper fährt. Noch immer sind unzählige Metall-Splitter in der Haut. „Ein Selbstmordattentat?“, fragt der Sicherheitsmann. Lea nickt. „An welchem Tag?“, fragt er weiter. „Da wusste ich auf einmal Bescheid. Dieser große, starke Mann ist mein Retter. Ich habe ihn umarmt und minutenlang nicht losgelassen.“
Lea packt ihr Leben an. Sie beginnt ein Architektur-Studium, schreibt jede Nacht an ihrem Buch, nimmt Klavier- und Gesangsunterricht.
Doch manchmal kommen sie doch, diese Bilder. Unerwartet schleichen sie sich in ihre Träume: Lea ist auf einer Bahre festgebunden und verbrennt bei lebendigem Leibe. „Ich habe alles im Griff.“, sagt sie mit einem Lächeln. „Um meine Geschwister und Freunde mache ich mir aber andauernd Sorgen.“ Ihre beste Freundin Orit stirbt auf dem Weg zur Uni in einem Bus. Der Selbstmordattentäter hatte sich als orthodoxer Jude verkleidet. „Das hat mich mehr verzweifeln lassen als mein eigenes Schicksal.“
Seit anderthalb Jahren arbeitet Lea als Fotomodell. Die auflagenstärkste israelische Frauenzeitschrift „La Ischa“ („ Für die Frau“) wählte sie im letzten Jahr zum Titel-Model. „Ich bin gelassener als meine Kolleginnen.“, sagt Lea. „Ich hab’ gelernt die Dinge im richtigen Maßstab zu sehen.“

(Kathrin Ludwig/ Welt, 16.03.07)

(Lea Saban 2007)

Die Luft ist raus


„Du hörst ja nur Popscheiße!“ meinte heute Morgen dieser junge Bursche nach einem auch sonst öden Plenum zu mir und recht hat er, denn wie verkündete Deutschquotenverfechter und auch sonstiger Unsympath Heinz Rudolf Kuntze bei seiner grandiosen Niederlage beim deutschen Grand Prix Vorentscheid: Die Welt ist Pop. Welcher Pop aber echt scheiße ist könnt ihr feststellen, wenn ihr das neue Album von Air anhört…Das ist echt so öde! Dabei gehöre ich sonst nicht zu den Leuten, die nicht müde werden zu behaupten, „das erste Album der Band XY war noch so cool, aber jetzt sich die echt so langweilig geworden..“ blabla. Besonders nervig ist das bei Air, wo die meisten Leute nur ewig davon schwärmen, wie groovy doch die „Moon Safari“ gewesen sei, dabei völlig das Debüt „Premiers Symptomes“ übersehen und sich weigern, die „10 00 Hz Legend“ als musikalischen Höhepunkt der Band anzuerkennen.
Das neue Album hat nicht von der Magie alter Air Alben, ganz im Gegenteil dominiert die pure Langeweile. Da hilft auch das eigentlich nette Stück mit Jarvis Cocker nicht viel, zumal die schönste Kollaboration eines anderen Künstlers mit den beiden Franzosen wohl eh „The Vagabond“ mit Beck Hansen war. Einen Pluspunkt gibt es noch für das geschmackvolle Coverdesign, das war´s dann aber auch von mir..obwohl ich aus Erfahrung auch nicht ausschließen kann, die Platte in ein paar Monaten als „Platte des Jahres“ zu bezeichnen…hier noch ein Song aus „guten, alten Tagen“:

Das darf jawohl nicht wahr sein!

Der Jurist, TV-Moderator und ehemalige Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dr. Michel Friedman,

(hier auf der von der Redaktion Bahamas organisierten Demonstration „Für Israel- und sein Recht auf Selbstverteidigung“ am 28.7.06 in Berlin) wurde lange Zeit von rechtsradikal gesinnten Bodyguards „geschützt“. Als wäre das nicht schon strange genug: Bei den Männern handelt es sich um Polizisten. Friedman zeigte sich nach der Enthüllung entsetzt: „Das ist für mich erschütternd: Man muss sich vorstellen, dass diese Herren mich eigentlich vor Nazis beschützen sollten, deren Geisteshaltung sie selbst hatten“, sagte er. Der 51-Jährige bedauerte, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. Von einem Kavaliersdelikt könne nicht die Rede sein. „Denn wenn wir zu Recht junge Menschen bestrafen, wenn sie sich für Hitler begeistern, dann muss dies für Polizeibeamte erst recht gelten.“Dass es auch in der Polizei Menschen mit rassistischen Vorurteilen gibt, überrasche ihn nicht. „Rassismus ist mitten in der Gesellschaft angekommen.“
Nach den Ermittlungen des hessischen Landeskriminalamts hatte einer der Beamten einen 26 Jahre alten Kollegen in einer Uniformjacke mit SS- Runen fotografiert. Dieses Bild sei auch auf der Dienststelle herumgezeigt worden, nicht aber in einem weiteren Kreis, so dass kein „Propaganda-Delikt“ vorliege. Eine selbst gebastelte Urkunde „im Namen des Führers“ habe der 26-Jährige ebenfalls nicht weiter verbreitet. Bei dem Fotografen wurden laut dem Frankfurter Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel zudem sieben Musikstücke mit volksverhetzenden Texten gefunden, die über Internet-Suchprogramme vom Rechner des Mannes hätten heruntergeladen werden können. Er habe davon angeblich nichts gewusst. Dies stelle eine „geringe Schuld“ dar, so dass das Verfahren ohne Auflagen mit Zustimmung des Gerichts eingestellt worden sei. „Strafrechtlich sind das keine großen Sachen“, meinte Oberstaatsanwalt Bechtel. Noch offen ist hingegen der dritte Fall eines 1964 geborenen Polizisten, der das verbotene „Horst-Wessel-Lied“ auf seinem Computer gespeichert hatte.
Keiner der drei betroffenen Beamten ist noch im Personenschutz eingesetzt, „alle wurden unmittelbar ausgetauscht beziehungsweise suspendiert“, sagte der Sprecher des Hessischen Innenministeriums, Michael Bußer. Zeitungsberichten zufolge soll einer der beschuldigten Personenschützer, der mittlerweile vom Dienst suspendiert wurde, für den Fall einer Anklage mit Enthüllungen über „braune Umtriebe im Frankfurter Polizeipräsidium“ gedroht haben.
Traurigerweise ist es noch nicht einmal der erste Fall dieser Art: Bereits vor einem Jahr hatte die Polizei in Frankfurt Friedman über eine Person aus seiner Schutztruppe informiert, die dann ausgetauscht worden sei.