Back in the 90ies

Die Zahl der rechtsextrem motivierten Straftaten in Deutschland war 2006 auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Mit einer Zunahme der Fälle um 14% auf mehr als 18 000 (!) Delikte wurde auch der Rekordwert vom Vorjahr deutlich übertroffen. Davon fallen allein 1100 Fälle auf Gewalttaten mit rechtsextremen Hintergrund. Vor allem nahm aber die Zahl der „Propagandadelikte“ zu. Laut einem Sprecher des BKA werde die rechte Szene immer selbstbewusster. Das zeigte sich an ihren zunehmend öffentlich gewählten Tatorten und an provokanten Auftritten gerade in „linken Stadtteilen“ oder „alternativen Hochburgen“. Beflügelt werde der rechte Aufschwung durch die jüngsten Erfolge rechtsextremer Parteien bei Wahlen und durch die große Medienpräsenz rechter Demonstrationen, so das BKA. Zudem konstatierten Sicherheitsbehörden, dass rechtsextreme Parteien intensiver als früher zusammenarbeiteten. Ihr Bemühen, eine sogenannte rechte „Volksfront“ zu bilden, sei nicht zu bestreiten. Als Reaktion fordern SPD, Linksfraktion und Grüne „parteiübergreifende Strategien“, was auch immer sie sich darunter vorstellen. Die Union hingegen erhofft sich nach Worten von Innenminister Wolfgang Schäuble eine größere Integrationskraft ihrer Partei am rechten Rand in den neuen Ländern. Es sei ein „besonderes parteipolitisches Problem für die Union, wenn eine rechtsextreme Partei bei Wahlen erfolgreich ist“, sagte der Minister. FDP-Innenexperte Max Stadler kommentierte „gute Absichten, sich gegen den Rechtsextremismus mit einem „Aufstand der Anständigen“ zu wenden, reichen alleine nicht aus. “
Durchschnittlich gibt es täglich 2,5 rechtsextreme Übergriffe in Deutschland . Allein in Sachsen gibt es etwa 40 „Freie Kameradschaften“ mit rund 1800 Mitgliedern.
Bereits im Januar 2007 wurden 909 rechtsextreme Straftaten registriert, davon waren 58 Gewaltdelikte. Die meisten rechtsextremen Delikte wurden im Januar in Nordrhein-Westfalen (153) und Brandenburg (118) verübt. Die größte Zahl an Gewalttaten bundesweit wurde in Brandenburg registriert, wo es neun solcher Vorfälle gab. Berlin taucht in der Statistik mit 63 politisch rechts motivierten Straftaten, darunter drei Gewalttaten, auf.
„Der Nationalsozialismus lebt nach, und bis heute wissen wir nicht, ob als Gespenst dessen, was so monströs war, dass es am eigenen Tode noch nicht starb, oder ob es gar nicht erst zum Tode kam; ob die Bereitschaft zum Unsäglichen fortwest in den Menschen wie in den Verhältnissen, die sie umklammern.“
(Theodor W. Adorno/ Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit“)