Tocotronic kapitulieren im Juli


Die Frage, wann Arne, Dirk, Jan und Rick das neue Album rausrücken ist endlich beantwortet. Die neue Platte von Tocotronic wird im Juli erscheinen und „Kapitulaltion“ heißen, was ein sehr angemessener Titel für eine Band ist, die 2005 auf dem legendären von der KP Berlin organisierten Open Air zum 60. Jahrestag der deutschen Niederlage performten (Obwohl ein Freund von mir schon meinte, der Titel könnte auch eine Anspielung auf das nahende Ende der Band sein, aber ich glaube/hoffe nicht, dass sich Blumfeld und Tocotronic im selben Jahr auflösen.) Nach der Trennung der Band von L‘Age D‘Or/Lado Musik wird das kommende Album bei Universal Music erscheinen, wozu die Vier verlauten ließen: „Wir, die Gruppe Tocotronic, freuen uns auf eine spannende und langfristige Zusammenarbeit mit der Firma Universal. Wir sind uns sicher, dass unser nunmehr achtes Studioalbum ‚Kapitulation‘ in diesem traditionsreichen Hause mit dem ihm gebührenden Donnerhall veröffentlicht werden wird.“
Das alles ist Anlass genug, meine 10 Lieblingslieder der Band zu bestimmen:
1. „Die neue Seltsamkeit“ (K.O.O.K.): Tocotronic haben eigentlich nur schöne Lieder, aber dieses Lied liebe ich am meisten. Einfach so.
2. „Ein Abend im Rotary Club“ (Es ist egal, aber) „Noch vor kurzem hätte ich nicht einmal im Traum daran gedacht, dieser Veranstaltung hier beizuwohnen..“ Denke ich auch immer wieder, bei Vorträgen, Demos, Arbeitsbesprechungen, Redaktionssitzungen, Plenen, Rendezvous, Gruppensex, Gerichtsverfahren, Beerdigungen..
3.“Drüben auf dem Hügel“ (Digital ist besser): „Ich warte dort auf dich, weil ich dich mag“ ist vielleicht in ihrer Schlichtheit die romantischte Zeile von Tocotronic.
4. „Das Unglück muss zurückgeschlagen werden“ (K.O.O.K.): …sollte unser Motto sein, gerade, wenn es echt schlecht aussieht…Zudem ist es genial, wenn die erste „richtig gesungene“ Zeile nach dem Intro auf der K.O.O.K. “ Es ist erschreckend, aber wahr..“ist.
5. „Ich bin viel zu lange mich euch mitgegangen“ (Es ist egal, aber): Auch so ein Lied, das mir vornehmlich nach den üblichen Plenen/Demos/Kundgebungen/Vorträgen mit den immer gleichen Leuten/Parolen/Abläufen/Inhalten durch den Kopf geht.
6. „Schatten werfen keine Schatten“ (Tocotronic): Viele Leute, darunter auch dieser Herr brachen mit diesem Album mit der Band, ich hingegen halte es für ihr musikalisch ambitioniertestes und tiefgehenstes Album, Schatten werfen keine Schatten ist vielleicht der Höhepunkt des Albums.
7. „Die Welt kann mich nicht mehr verstehen“ (Wir..) „Und ich weiß nicht genau, ob es so etwas gibt, oder ob es an der Zeitumstellung liegt“ Aktueller Anlass, diese Zeitumstellung bringt mich echt jedes Mal wieder völlig durcheinander!
8.“Ich muss reden, auch wenn ich schweigen muss“ (Nach der verlorenen Zeit). ..könnte auch die Überschrift meines Blogs sein..
9. „Hi Freaks“ (Tocotronic): Bei diesem Lied denke ich zwangsläufig an einen meiner Geburtstage, den ich mit meiner „Posse“ in einem verrauchten „Indieclub“verbrachten und besagtes Lied auf Drängen meiner FreundInnen um Punkt 12 aus den Boxen schallte. „..was wir sehen bedeutet nichts.“
10. „Ich habe Stimmen gehört“ (Pure Vernunft..) Mit diesem Lied begannen die Vier vor 2 Jahren ein Konzert, auf das ich mich trotz heftiger Erkrankung schleppte, um eines der besten Konzerte meines Lebens zu erleben (obwohl mensch auch angesichts der hohen PalituchträgerInnendichte meinen konnte, auf einer Fatah-Sitzung gelandet zu sein!).
..ich hätte auch noch 30 andere „absolute Lieblingslieder“ von Tocotronic auflisten können (so merke ich gerade, dass „Unter der Schnellsraße“ und „ich mag dich einfach nicht mehr so“ fehlen), momentan sind es diese 10, welche sind eure Liebsten?


12 Antworten auf „Tocotronic kapitulieren im Juli“


  1. 1 Im Norden nichts Neues 25. März 2007 um 18:11 Uhr

    Wie schön :)
    Ich möchte ja nicht prahlen aber auch ich besitze alle Alben und DVD’s ;)

    Wieso sind die Jungs eigentlich so beliebt in der Antifaszene?
    Also ich kenne kaum Antifas die die Band nicht mögen.

    Das „White Album“ mag ich auch nicht so gerne.

    Aber Platz 1 ist wirklich verdient ;)
    Einfach nur ein klasse Lied :)

  2. 2 Momo 25. März 2007 um 18:36 Uhr

    also meins ist auf jeden Fall „ich mag dich einbfach nicht mehr so“ und „nach bahrenfeld im Bus“ und „drüben auf dem Hügel“ :x

  3. 3 streifenstyle 25. März 2007 um 19:05 Uhr

    nicht originell, aber matter of fact:

    1 let there be rock

    2 jackpot

    3 drüben auf dem hügel (jugend nostalgie de luxe)

  4. 4 dissi 25. März 2007 um 20:50 Uhr

    tocotronic sind doch an all dem „schuld“, gegen das später der „i can‘t relax“-sampler veröffentlicht wurde. das „wir sind wieder wer“ im lokalen rock, die rückkehr der deutschen barden in der einheimischen jugendkultur. bis heute, aber sicher (von n.d.w. abgesehen) längere zeit vor tocotronic nicht, verkaufen wieder deutschsprachige „künstler“ die meisten platten in der relevanten zielgruppe, eine enorme nationalisierung des marktes, heute ist nur noch mit deutscher sprache ein plattenvertrag zu bekommen: tomte, juli, fotos, mia, wir sind helden, hund am strand, virginia jetzt, anajo, sportfreunde stiller… – die verkaufen heute alle wesentlich mehr platten in deutschland als einst einmal smashing pumpkins, pavement, die späteren oasis oder nirvana zu lebzeiten. na und? könnte darauf entgegnet werden. wenn etwas die patriotische radioquote schrittweise ermöglicht, hätte ich dafür etwas subversiveres erwartet als das genuschel da. wenigstens blumfeld, aber die wurden ja auch schlecht.
    ich hab allerdings auch nie verstanden, weshalb tocotronic so abgefeiert werden. und irgendwann gingen die mir bereits so auf die nerven, dass ich es nie mehr verstehen konnte. was für mich übrigbleibt, ist das, was deutsche musik für mich stets umgibt: entweder sie ist verdächtig, auf provinzielle weise schlecht oder einfach uninteressant.
    fuck, bin ich denn der einzige hier, der tocotronic doof findet ? :((

  5. 5 salzundessick 25. März 2007 um 21:56 Uhr

    dissi, du hast keine ahnung :-)
    zeigt sich schon daran, dass du „tomte“ in einer reihe mit den scheusslichkeiten deutscher popmusik nennst.
    ich mag auch grundsaetzlich keine deutschsprachige musik bis auf ganz wenige ausnahmen. tocotronic und tomte waeren solche ausnahmen.

  6. 6 salzundessick 25. März 2007 um 22:01 Uhr

    achso,
    ausserdem wuerde ich gern mal eine aufstellung sehen, wer mehr cds in deutschland verkauft:
    mariah carey, guns ‚n roses, kaiserchiefs, zillertaler schuerzenjaeger, anajo.
    naja, will ich nicht sehen, ich weiss es schon. deine these halte ich darum fuer sehr gewagt. dass die neudeutschen bands zum kotzen sind, macht sich nicht an umsatzzahlen fest. gute musik uebrigens auch nicht.

  7. 7 dissi 26. März 2007 um 14:56 Uhr

    zu deiner aufstellung ist zu sagen: anajo sind ja noch hoffnungsvolle newcomer, ersetze sie durch eine andere band meiner aufzählung (außer den ebenfalls erst wachsenden neulingen hund und fotos) und du hast vielleicht gar den bestseller deiner aufzählung in der hand. der gegenwart wohlgemerkt.
    aber es muss ja gar nicht um umsatzzahlen gehen:
    dann bin ich halt selber nur so antagonistisch drauf und eventuell habe wirklich nicht soviel ahnung, dass ich das belegen könnte, aber mein eindruck ist: während für meine damaligen gleichaltrigen begriffe sympathische teenage-indie-girlies aus der vorstadt oft so „*zero*“-shirts trugen (das war die endphase der s.pumpkins), dürfte die generation gleichen alters heute die augen weniger auf so n glatzigen ami wie billy corgan als standesgemäß auf so einen mittellanghaarigen benno von einer auf deutsch süßholzraspelnden hobbylyriker-combo richten.
    das find ich provinziell. ;)

  8. 8 salzundessick 27. März 2007 um 0:19 Uhr

    nee, also mariah carey verkauft mehr cd’s als alle diese deutschpopper zusammen. anajo ist natuerlich das schwaechste glied in der opferkette. :-)
    ich treibe mich relativ viel auf konzerten rum, dass einzige deutschsprachige, auf dem ich in letzter zeit war, war tomte (also von krawalla mal abgesehen :-) ). aelteres publikum, brillen, gediegene stimmung, gefaelliges mitwippen. teenager eher bei englischsprachigen bands wie killers oder ganz extrem bei so hardrock-kram wie billy talent, afi . wobei das vermutlich nicht repraesentativ ist, da ich selbst fuer tomte-publikum eigentlich schon fast zu alt bin.
    ich glaube, das laesst sich ganz schwer trennen. die hoeren kaiserchiefs UND mieze mia. und, so albern das auch ist, es kommt tatsaechlich auf den veranstaltungsort an. im magnet-club ist indy-disko und grosse deutschlandparty fuer stefan raab. mit vermutlich gleichem teenager-publikum. irgendjemand, der sich mit kulturindustrie und diesen sachen naeher befasst, koennte hier sicher ein paar flotte zitate anbringen oder das ordentlich begruenden. ich kann nur meinen oberflaechlichen eindruck wiedergeben.
    und, du hast recht: die selbsternannte ‚berliner schule‘ besteht fast ausnahmslos aus provinzlern. hingegen eignen sich die hamburger und insbesondere tocotronic nur ganz schlecht als beweis fuer hobbylyrik, da die texte meist alles andere als suessholzraspel sind. manche sind sogar wirklich gut, natuerlich nicht alle.
    nunja, ueber musikgeschmack laesst sich ganz schlecht streiten. bis vor drei jahren haben ich fast ausnahmslos dancehall reggae und so zeug konsumiert. auch kein suessholz :-)

  9. 9 cliffcosmos 27. März 2007 um 16:36 Uhr

    Ich stimme salty zu, aber generell geht es hier nur um Popmusik,die mensch individuell „gut“ oder „schlecht“ finden kann und jenseits meiner individuellen Vorlieben sehe ich auch keinen Unterschied zwischen der Popmusik von Mariah Carey (lebt die noch?) und Tocotronic. Nachdem hier schon Adorno beschworen wurde: Popmusik ist eine besonders raffinierte Finte des Kapitals zur kulturellen Reproduktion bestehender Machtverhältnisse, wenn´s nach ihm geht.
    Dissis Vorwurf, Tocotronic hätten den ganzen „neudeutsch“ Bands die Tore geöffnet möchte ich aber abschliessend noch mit dem Verweis auf die Ablehnung der Band, 1997 den „Viva Cometen“ als Jung, deutsch und auf dem Weg nach oben“ anzunehmen, begegnen.
    Ach ja, ich hatte früher auch ein „zero“ shirt:)

  10. 10 salzundessick 27. März 2007 um 18:18 Uhr
  11. 11 Im Norden nichts Neues 28. März 2007 um 23:05 Uhr

    Finds auch ein wenig übertrieben jetzt Affinität oder so etwas zur deutschen Ideologie zu unterstellen nur weil er die Musik von Tocotronic mag.
    Jaa die Jugend, ihre Musik und ihre Beziehung zur Nation.
    Das ist schon so eine Sache ;)
    Und ich denke mal, dass viele die sich jetzt dazu äußern nicht wirklich den völligen Überblick haben, besonders auch was der Normale-Jugendliche hört oder gut findet.
    Weil halt so leute wie du (an alle gerichtet :D ) und zum Teil ich, halt ihre Freunde im politischen Bereich haben und auch sonst zum großen Teil in diesen Kreisen verkehren.
    Ich nehme mir einfach mal das Privileg heraus ein bisschen aus der norddeutschen Provinzjugend zu erzählen.
    Ganz einfach weil meine Freunde nahezu ohne Ausnahme unpolitische Popper sind und ich deswegen auch zwangsweise selten oder gar nicht auf „Antifa“-Parties gehe.
    Und man kann wirklich sagen, dass Musik nicht wirklich etwas mit dem politischen Bewusstsein oder sonstigen zutun hat. Ein Klassen“kamerad“ hört zum Beispiel Techno und US-Hiphop. (Üble Mische ;) )
    Heißt aber nicht, dass er sagt dass er bald in die Türkie reist um türkisch zu lernen damit er sich mal in seinem Heimatdorf unterhalten kann. Soll heißen er mag die ganzen Ausländer in seinem schönen Dorf nicht.
    Dann gibt es wieder die von Bushido und Konsorten beeinflußten Ghettokinder, Gangster, Hopper, Rollercruiser, Spacken, wie man sie auch nennen will. Setzen sich meistens aus Leuten „mit Migrationshintergrund“ und Deutschen zusammen die irgendwo cool sein wollen und denken ihre Straße läge in Kreuzberg.
    Nun ja. In diesem Millieu kenne ich auch ein paar Leute und bezeichne auch welche als meine Freunde. Hören meistens deutschen und US-Hiphop.
    Zum politischen lässt sich sagen, dass sie sich sehr auf ihre Nationalität berufen. Polen rufen: „Polska Rules“, Russen: „Russki!“
    und Kurden meinen wenn sie ein Land hätten würden sie alle wegbomben und die Welt erobern.
    Und es kommt noch schlimmer: Antisemitismus ist sehr weit verbreitet bei Migranten, besonders aus den arabischen Ländern.
    (Obwohl, es wollte mir mal ein „Russlanddeutscher“ weismachen, die Juden seien satanisch weil sie den Tempel in Israel wieder aufbauen wollen und der Antichrist dann ja wieder auferstehe.)
    Bei einer Nazidemo hier in meiner „Heimatstadt“ war ich natürlich mit Israelfahne unterwegs (es war zur Libanonkriegszeit) und wurde erstmal von 5 Libanesen angesprochen, was die Scheiße denn solle und ob ich ein scheiß Jude wäre und das sie gleich Libanesen holen würden die mich totschlägen würde. Naja bin weitergegangen, haben noch auf die Fahne gespuckt, aber egal. Waren leider gerade keine Genossen mit mir unterwegs.

    Ich schweife ab :D

    es gibt da noch die schlimmste gruppe von jugendlichen, linksdeutsche , amerikahasser, fußballfans, deuschland-wm-unterstützer.

    Aber ich bin eindeutig zu müde. Gute Nacht

  1. 1 Rückkehr von den Gipfeln der Verzweiflung » Tocotronic vor ihrer Kapitulation | Wissenswerkstatt Pingback am 19. April 2007 um 21:37 Uhr

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