Archiv für März 2007

Streetart in Israel

Ein guter Freund von mir ist zur Zeit für ein Semester in Israel und hat mir heute diese beiden Bilder aus den Strassen Haifas geschickt:

Back in the 90ies

Die Zahl der rechtsextrem motivierten Straftaten in Deutschland war 2006 auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Mit einer Zunahme der Fälle um 14% auf mehr als 18 000 (!) Delikte wurde auch der Rekordwert vom Vorjahr deutlich übertroffen. Davon fallen allein 1100 Fälle auf Gewalttaten mit rechtsextremen Hintergrund. Vor allem nahm aber die Zahl der „Propagandadelikte“ zu. Laut einem Sprecher des BKA werde die rechte Szene immer selbstbewusster. Das zeigte sich an ihren zunehmend öffentlich gewählten Tatorten und an provokanten Auftritten gerade in „linken Stadtteilen“ oder „alternativen Hochburgen“. Beflügelt werde der rechte Aufschwung durch die jüngsten Erfolge rechtsextremer Parteien bei Wahlen und durch die große Medienpräsenz rechter Demonstrationen, so das BKA. Zudem konstatierten Sicherheitsbehörden, dass rechtsextreme Parteien intensiver als früher zusammenarbeiteten. Ihr Bemühen, eine sogenannte rechte „Volksfront“ zu bilden, sei nicht zu bestreiten. Als Reaktion fordern SPD, Linksfraktion und Grüne „parteiübergreifende Strategien“, was auch immer sie sich darunter vorstellen. Die Union hingegen erhofft sich nach Worten von Innenminister Wolfgang Schäuble eine größere Integrationskraft ihrer Partei am rechten Rand in den neuen Ländern. Es sei ein „besonderes parteipolitisches Problem für die Union, wenn eine rechtsextreme Partei bei Wahlen erfolgreich ist“, sagte der Minister. FDP-Innenexperte Max Stadler kommentierte „gute Absichten, sich gegen den Rechtsextremismus mit einem „Aufstand der Anständigen“ zu wenden, reichen alleine nicht aus. “
Durchschnittlich gibt es täglich 2,5 rechtsextreme Übergriffe in Deutschland . Allein in Sachsen gibt es etwa 40 „Freie Kameradschaften“ mit rund 1800 Mitgliedern.
Bereits im Januar 2007 wurden 909 rechtsextreme Straftaten registriert, davon waren 58 Gewaltdelikte. Die meisten rechtsextremen Delikte wurden im Januar in Nordrhein-Westfalen (153) und Brandenburg (118) verübt. Die größte Zahl an Gewalttaten bundesweit wurde in Brandenburg registriert, wo es neun solcher Vorfälle gab. Berlin taucht in der Statistik mit 63 politisch rechts motivierten Straftaten, darunter drei Gewalttaten, auf.
„Der Nationalsozialismus lebt nach, und bis heute wissen wir nicht, ob als Gespenst dessen, was so monströs war, dass es am eigenen Tode noch nicht starb, oder ob es gar nicht erst zum Tode kam; ob die Bereitschaft zum Unsäglichen fortwest in den Menschen wie in den Verhältnissen, die sie umklammern.“
(Theodor W. Adorno/ Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit“)

„Die neue Freiheit der Schwulen“

Heute findet sich im FAZ-Feuilleton ein interessanter, wenn auch recht unkritischer Artikel von Dieter Bartetzko über die angebliche Freiheit der Schwulen heutzutage. Lest selbst und bildet euch eure Meinung, ich verweise hier aber zusätzlich auf einen Vortrag von Tjark Kunstreich zum Thema „Die Transformation der Schwulenbewegung“, den ihr euch
hier
anhören könnt.


„Die neue Freiheit der Schwulen
Anderssein lohnt sich
Von Dieter Bartetzko 26. März 2007

„Dann haben wir festgestellt, dass wir mehr sind als nur gute Freunde.“ Was meinte Matt, das einzige ausgesprochen männlich wirkende Mitglied der Boygroup „Part Six“, als er so die Frage nach seinem Verhältnis zu Tim, einem der übrigen singenden Jungs, beantwortete? Gewöhnlich wird damit klargestellt, dass zwei sich lieben. War das also das Bekenntnis einer schwulen Beziehung? Das Publikum des „Tigerentenklubs“ jedenfalls, Kinder zwischen neun und zwölf, wirkte keineswegs verwundert, sondern bejubelte den Auftritt so wie alle Teenies, die seit Monaten „Part Six“ feiern. Von Anrufen alarmierter Eltern oder enttäuschter Fans bei der ARD, die den betreffenden Club mehrmals ausstrahlte, war auch nichts zu hören.
Ähnliches gilt für den Fernsehfilm „Einfache Leute“, der kurz zuvor den populären Tatortkommissar Max Ballauf alias Klaus J. Behrendt in der Rolle eines Familienvaters und Schwimmsportlers zeigte, der nach jahrzehntelangem Versteckspiel als Schwuler geoutet wird. Von Behrendts intensiver Darstellung war die Rede, vom grotesken Tatbestand, dass in der Sportwelt Homosexualität offiziell inexistent und hinter den Kulissen ein absoluter Makel ist, nicht aber davon, dass zur besten Sendezeit der Mehrheit ein sogenanntes Minderheitenproblem vorgesetzt wurde.
Ein Schauspieler mit Macho-Image spielt bravourös einen Schwulen, in beliebten Krimiserien ist mindestens ein schwuler Kommissar fester Bestandteil – was vor zehn Jahren noch eine lang und breit besprochene Sensation gewesen wäre, gehört heute zum Fernsehalltag. Genauso wie das gerührte „Ich danke meinem Mann“, das Peter Plate, schwules Mitglied des Pop-Duos „Rosenstolz“, bei der Liveübertragung der Verleihung der „Goldenen Kamera“ aller Welt verkündete. Dem widerspricht nicht, dass Klaus J. Behrendt nach seinem Film in einem Interview beteuerte: „Ich liebe nun mal die Frauen – und das ist gut so.“ Denn mit dem Zitat der bundesweit zum geflügelten Wort gewordenen Formel, die vor sechs Jahren Klaus Wowereits Bekenntnis zu seiner Homosexualität bekräftigte, fügte der Schauspieler dem Beteuern seiner Heterosexualität quasi ein Augenzwinkern hinzu.

Das gehört heute zum guten Ton: Robbie Williams, noch immer Europas Popgott und nach eigenem Bekenntnis homosexuellen Erfahrungen nicht abgeneigt, hat in „Supreme“, einem seiner größten Hits, die entspannte Haltung unserer Gesellschaft zur Homosexualität zusammengefasst: „All the best women are married, and all the handsome men are gay.“ „You feel deprived“, schlussfolgert der Sänger im Namen der Heterosexuellen. Außen vor? Was früher für Schwule galt, soll heute für Nichtschwule gelten? Wer nicht wenigstens schwule Erfahrung hat oder deren möglichen Reiz nachempfinden kann, hätte den Zug der Zeit verpasst?
Das scheint zuzutreffen, wenn man beispielsweise hört, dass selbst James Bond, das gestaltgewordene Testosteronsubstrat weltweiter männlicher Selbsteinschätzung, bald mit dem eigenen Geschlecht in Berührung treten wird. Im nächsten Film, so heißt es, soll Daniel Craig, der als zeitgemäß superviril gelobte neue Bond-Darsteller, eine homosexuelle Affäre haben. Und wenn in Nachbetrachtungen zu Breloers Meisterwerk „Die Manns“ außer Armin Müller-Stahl in der Rolle des Schriftstellers und Monica Bleibtreu in der seiner Frau Katja ein Darsteller hervorgehoben wird, dann ist es Sebastian Koch, der mit ergreifender Intensität die Höhen und Tiefen im schwulen Leben des Klaus Mann darstellte.
Klaus Mann trieben Depressionen in den Selbstmord. Seine Homosexualität trug zu ihnen bei, aber sie war nicht ausschlaggebend. Denn die Zeiten der Weimarer Republik, zumindest die den Dichtersohn prägenden Jahre, waren in den Großstädten von Liberalität gekennzeichnet. Homosexuelle Anklänge waren Mode. So kokettierte beispielsweise Hans Albers vor seiner Karriere als blonder Matrosenhüne erfolgreich auf Berlins Bühnen mit dem Habitus eines beiden Geschlechtern zugeneigten Gigolos. So führten Gerüchte, der Operetten- und Revuestar Max Hansen sei nicht ausschließlich am weiblichen Geschlecht interessiert, nicht zu einem Karriereknick, sondern zu weiteren Erfolgen. Und so schaffte Curt Bois, nachdem er als Lieblingsknirps der Operette hatte abdanken müssen, als junger Mann seinen Wiederaufstieg in einer Neuinszenierung von „Charleys Tante“, für deren Titelrolle ihm die angesehensten Berliner Modeschöpfer ihre besten Kreationen auf den mageren Leib schneiderten.

Damit aber war der geniale Schauspieler nicht etwa zum Vorzeigetransvestiten der Metropole verdammt, sondern triumphierte kurz darauf in der Rolle des schüchternen Liebhabers verführerischer Diven. Heute im Fummel, morgen im Frack und übermorgen im Blaumann, mal homo- und mal heterosexuell – in den Künstler- und Intellektuellenkreisen der zwanziger Jahre schien das für niemanden ein Problem zu sein. Dass man in einer Scheinwelt lebte, zeigte sich, als mit dem „Dritten Reich“ die staatliche Verfolgung der Schwulen einsetzte. Doch die Betroffenen hätten zuvor erkennen können, was sie erwartete: an der Verbissenheit beispielsweise, mit der ein Walther Rathenau oder ein Harry Graf Kessler ihre – dennoch allgemein bekannte – Homosexualität verbargen, weil sie fürchteten, bei Bekanntwerden ihrer Neigung für immer als Politiker und Kulturführer diskreditiert zu sein.
Heute muss kein Politiker bei uns sich mehr vor dem Outing als Schwuler fürchten. Es sei denn, er bewegte sich einmal außerhalb seiner gewohnten Kreise. Zum Beispiel unter Anhängern des weltweit populären jamaikanischen Raps. Dessen größter Star, Buju Banton, der mehr CDs verkauft hat als Bob Marley, phantasiert in seinen Songs regelmäßig davon, Schwule per Kopfschuss zu töten, mit Säure zu begießen oder zu verbrennen.
Die primitive Homophobie der Rapper auf Jamaika ist nicht als Kreuzzug durchgedrehter Insulaner abzutun. Auch in den Vereinigten Staaten und England gehören homophobe Attitüden zum Ehrenkodex der dortigen Rapper und Hiphopper: Jeder „Chi Chi man has to go flat“, blafft Bobby Hollygood, international gefragt, in seinem Song „Diamonds in the Ruff“, und prophezeit Schwulen, sie in ihren Autos zu rösten. Dagegen nehmen sich die Hasstiraden des Rap-Superstars Eminem fast harmlos aus, der in „Marshall Mothers“ erklärt, Boygroups wie „New Kids on the Block sucked a lot of dick. Boy/girl groups make me sick. And I can‘t wait ’til I catch all you faggots in public.“
In Deutschland hat sich noch kein Rapper gefunden, der den Jungen von „Part Six“ Schläge oder Schlimmeres androht. Doch zwei Schritte vom liberalen künstlerischen und politischen Parkett, in unseren Sportvereinen beispielsweise, herrschen diesbezüglich nicht gerade Flötentöne. Dort ist die heterosexuelle Welt noch intakt, respektive wird auf Biegen und Brechen so getan, als sei sie es. In den deutschen Profifußballligen, so vor einigen Monaten die „taz“, müsse es nach allen Regeln der Statistik etwa hundert Schwule geben. Bekannt davon ist keiner. Vermutlich sind ihnen außer den mehr oder weniger versteckten Drohungen ihrer Trainer und den homophoben Zoten ihrer Sportskameraden auch Parolen wie die eines Lothar Matthäus im Gedächtnis, der gern betonte, ein Schwuler könne nicht Fußball spielen.
Bei uns hält die Mauer des Schweigens noch dicht. Nicht so in den Vereinigten Staaten, wo der Basketballer John Amaechi nach fünf Jahren Karriere in der National Basketball Association und vier Jahre nach deren Ende öffentlich seine Homosexualität erklärte. Das Land, das dem metrosexuellen Fußballprofi David Beckham entgegenfiebert und „Brokeback Mountain“, dem ersten schwulen Western, den Oscar verlieh, ist schockiert. Noch mehr sind es die Trainer und Funktionäre – und die einstigen Mitspieler John Amaechis, die gern ihre Fußnägel zu Weihnachten grün und am Valentinstag rot lackierten, in der Dicke ihrer Diamantringe und Goldketten wetteiferten und sich nach Turnieren mit Eau de toilette einnebelten. Fassungslos fragen sie sich, wie ein Schwuler derart lange in ihren durch und durch männlichen Kreisen unerkannt bleiben konnte.
Diese Haltung fasst ihr Ex-Kollege Tim Hardaway zusammen: „Homosexualität hat in dieser Welt nichts verloren.“ Wer kann garantieren, dass bei uns nicht ähnlich reagiert und beim Outing eines Spielers der Fußballnationalelf für den Betroffenen das Sommermärchen nicht zum Albtraum würde? Wie steht es um die echte, nicht um die Fernsehpolizei? Die Bundeswehr? Ist der Skandal um General Günter Kießling, der wegen vermuteter Homosexualität als amtsunwürdig galt, Schnee von gestern? Gibt es schwule Bundesrichter? Schwule Priester? Schwule Lehrer? Schon der reflexartige diesbezügliche Zweifel bezeugt die anomale Lage.
Der Mörtel aller institutionellen Eckpfeiler unserer Gesellschaft ist die Heterosexualität – und die derzeitige große Freiheit für Schwule ist wie gewohnt überwiegend auf die Bereiche der Kunst und der Intellektualität beschränkt; ein perfekt getarntes Freigehege. Wenn Familie und Freunde oder gar die Öffentlichkeit, so John Amaechi, erfahren, „dass ein Mensch, den man liebt, schwul ist, geht plötzlich die Musik aus“.
Geld, viel Geld, macht ihm die Stille erträglich: Dem ehemaligen Basketballer hilft, wie zuvor drei anderen amerikanischen Sportstars, die sich geoutet haben, der Marketing-Stratege Howard Bragman. Dank ihm kann Amaechi zehntausend Dollar pro Auftritt verlangen, hat Angebote von Sponsoren, und seine Autobiographie steht ganz oben in den Verkaufslisten. „Es ist eine kluge Geschäftsidee, sich zu outen“, zitierte kürzlich der „Spiegel“ einen zynisch pragmatischen Sportsponsor aus Amerika. Bisher aber hat sich diese kluge Idee offenkundig selbst im Lieblingsland der Entschädigungsprozesse und des allmächtigen Profitstrebens nicht durchgesetzt. So gilt also auch für die neuen Schwulen hier wie dort noch das Wettrennen zwischen Libertinage und Diskriminierung. Übrigens: Ob Matt und Tim von „Part Six“ schwul sind oder ihre Antwort nur das gemeinsame musikalische Können meinte, ist unerfindlich. Eigentlich ist es ja auch egal. Eigentlich.“
Text: F.A.Z., 27.03.2007, Nr. 73 / Seite 37

Tocotronic kapitulieren im Juli


Die Frage, wann Arne, Dirk, Jan und Rick das neue Album rausrücken ist endlich beantwortet. Die neue Platte von Tocotronic wird im Juli erscheinen und „Kapitulaltion“ heißen, was ein sehr angemessener Titel für eine Band ist, die 2005 auf dem legendären von der KP Berlin organisierten Open Air zum 60. Jahrestag der deutschen Niederlage performten (Obwohl ein Freund von mir schon meinte, der Titel könnte auch eine Anspielung auf das nahende Ende der Band sein, aber ich glaube/hoffe nicht, dass sich Blumfeld und Tocotronic im selben Jahr auflösen.) Nach der Trennung der Band von L‘Age D‘Or/Lado Musik wird das kommende Album bei Universal Music erscheinen, wozu die Vier verlauten ließen: „Wir, die Gruppe Tocotronic, freuen uns auf eine spannende und langfristige Zusammenarbeit mit der Firma Universal. Wir sind uns sicher, dass unser nunmehr achtes Studioalbum ‚Kapitulation‘ in diesem traditionsreichen Hause mit dem ihm gebührenden Donnerhall veröffentlicht werden wird.“
Das alles ist Anlass genug, meine 10 Lieblingslieder der Band zu bestimmen:
1. „Die neue Seltsamkeit“ (K.O.O.K.): Tocotronic haben eigentlich nur schöne Lieder, aber dieses Lied liebe ich am meisten. Einfach so.
2. „Ein Abend im Rotary Club“ (Es ist egal, aber) „Noch vor kurzem hätte ich nicht einmal im Traum daran gedacht, dieser Veranstaltung hier beizuwohnen..“ Denke ich auch immer wieder, bei Vorträgen, Demos, Arbeitsbesprechungen, Redaktionssitzungen, Plenen, Rendezvous, Gruppensex, Gerichtsverfahren, Beerdigungen..
3.“Drüben auf dem Hügel“ (Digital ist besser): „Ich warte dort auf dich, weil ich dich mag“ ist vielleicht in ihrer Schlichtheit die romantischte Zeile von Tocotronic.
4. „Das Unglück muss zurückgeschlagen werden“ (K.O.O.K.): …sollte unser Motto sein, gerade, wenn es echt schlecht aussieht…Zudem ist es genial, wenn die erste „richtig gesungene“ Zeile nach dem Intro auf der K.O.O.K. “ Es ist erschreckend, aber wahr..“ist.
5. „Ich bin viel zu lange mich euch mitgegangen“ (Es ist egal, aber): Auch so ein Lied, das mir vornehmlich nach den üblichen Plenen/Demos/Kundgebungen/Vorträgen mit den immer gleichen Leuten/Parolen/Abläufen/Inhalten durch den Kopf geht.
6. „Schatten werfen keine Schatten“ (Tocotronic): Viele Leute, darunter auch dieser Herr brachen mit diesem Album mit der Band, ich hingegen halte es für ihr musikalisch ambitioniertestes und tiefgehenstes Album, Schatten werfen keine Schatten ist vielleicht der Höhepunkt des Albums.
7. „Die Welt kann mich nicht mehr verstehen“ (Wir..) „Und ich weiß nicht genau, ob es so etwas gibt, oder ob es an der Zeitumstellung liegt“ Aktueller Anlass, diese Zeitumstellung bringt mich echt jedes Mal wieder völlig durcheinander!
8.“Ich muss reden, auch wenn ich schweigen muss“ (Nach der verlorenen Zeit). ..könnte auch die Überschrift meines Blogs sein..
9. „Hi Freaks“ (Tocotronic): Bei diesem Lied denke ich zwangsläufig an einen meiner Geburtstage, den ich mit meiner „Posse“ in einem verrauchten „Indieclub“verbrachten und besagtes Lied auf Drängen meiner FreundInnen um Punkt 12 aus den Boxen schallte. „..was wir sehen bedeutet nichts.“
10. „Ich habe Stimmen gehört“ (Pure Vernunft..) Mit diesem Lied begannen die Vier vor 2 Jahren ein Konzert, auf das ich mich trotz heftiger Erkrankung schleppte, um eines der besten Konzerte meines Lebens zu erleben (obwohl mensch auch angesichts der hohen PalituchträgerInnendichte meinen konnte, auf einer Fatah-Sitzung gelandet zu sein!).
..ich hätte auch noch 30 andere „absolute Lieblingslieder“ von Tocotronic auflisten können (so merke ich gerade, dass „Unter der Schnellsraße“ und „ich mag dich einfach nicht mehr so“ fehlen), momentan sind es diese 10, welche sind eure Liebsten?

Geldstrafen für NPD Funktionäre

Der Berufungsprozess gegen die norddeutschen NPD Funktionäre Stefan Köster und Ingo Stawitz sowie einen weiteren Angeklagten endete gestern nach nur wenigen Minuten mit der Verhängung von geringen Geldstrafen. Das Gericht spracht die drei Männer wegen gemeinschaftlich begangener schwerer Körperverletzung schuldig und verhängte gegen Köster eine Geldstrafe von 5400 Euro, gegen Stawitz 900 Euro und gegen den dritten Schläger 1350 Euro. Dies stellt eine Milderung zur eigentlich verhängten Strafe aus dem Prozess von 2006 dar, als alle drei zu einer 6 monatigen Bewährungsstrafe verurteilt wurden. Die Staatsanwaltschaft hatte 8 Monate auf Bewährung gefordert.
Die Drei hatten im Rahmen einer NPD-Veranstaltung in Steinburg/Schleswig-Holstein im Jahr 2004 eine Demonstrantin in wechselnder Beteiligung zusammengeschlagen – nach Zeugenaussagen offenbar sogar wiederholt in aller Brutalität mit Füssen getreten, als das Opfer bereits am Boden lag. Ingo Stawitz sagte aus, er habe in „Notwehr“ gehandelt. Um den Angriff der Demonstranten zu stoppen, habe er Wurfgeschosse aufgehoben und zurückgeworfen. Dabei habe er bewusst nicht auf Menschen gezielt. Anschließend habe er vergeblich versucht, einen der Vermummten bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.
2004 hatten sich während des NPD-Landesparteitages in Steinburg etwa 50 Demonstranten versammelt, um gegen die Veranstaltung zu protestieren. Nach Angaben der Polizei flogen Flaschen und Steine. Einige Delegierte gingen daraufhin zum Gegenangriff über und verfolgten die Demonstranten. Dabei wurde eine Frau aus Kiel zu Boden gerissen. NPD-Mitglieder sollen dann von allen Seiten auf sie eingetreten haben. Der Einsatzleiter der Polizei, Uwe Kleinig, berichtete damals im NDR, dass er „schockiert“ war von der Gewalt der Rechten, die „deutlich stärker“ gewesen sei als die der Linken, von denen es „keine Gegenwehr“ gegeben habe. Als einer der Rechten mit einem Stuhl auf einen bereits verletzt am Boden liegenden Demonstranten habe schlagen wollen, soll ein anwesender Zivilbeamter der Polizei zwei „Signalschüsse“ abgeben haben.

(Ingo Stawitz beim Steinewerfen)
Köster ist Landesvorsitzender der NPD in Mecklenburg-Vorpommern, Stawitz stellvertretender Landeschef der Partei in Schleswig-Holstein. Der Fall hatte damals für Aufsehen gesorgt, da die Attacke von einem Fernsehteam der ARD Sendung „Panorama“ gefilmt worden war.
..weitere Infos zu Ingo Stawitz und zu Stefan Köster